Ich schlief die Nacht wie ein Stein, die Frischluftkur zeigte wohl ihre Wirkung. Obwohl ich hätte etwas ausschlafen können, wurde ich kurz nach 6 Uhr wach. Was will man als Frühaufsteher dagegen machen, wenn die innere Uhr einen weckt? So konnte ich wenigstens aus dem Fenster meines Hotelzimmers in der 7. Etage die morgendliche Stimmung genießen. Die Sonne schob sich gerade aus dem Horizont und beleuchtete den Fernsehturm eindrucksvoll. Eine schöne Stimmung.
Blick aus meinem Zimmer im Hotel Olšanka auf den Fernsehturm.
Etwas eher als geplant machten wir uns kurz vor halb 8 auf den Weg zum Frühstück. Dieses war zwar einfach, reichte aber für einen guten Start in den Tag.
Anschließend fuhren wir mit der Straßenbahn wieder zum Hauptbahnhof. Die Rückfahrt nach Chemnitz stand auf dem Programm und ich wollte Praha auf der wohl schönsten Weise in Richtung deutscher Grenze verlassen. Dies sollte mit dem Lausitzer Schnellzug, dem R 1275 „Lužickohorský rychlík“ der KŽC nach Mikulášovice dolní nádraží geschehen. Dieser von Ende März bis Anfang November an Wochenenden und Feiertagen verkehrende Zug bot mit „Bardotka“ und alten Bautzener Abteilwagen nostalgisches Schnellzug-Gefühl. Der Zug stand ganz außen am 7. Bahnsteig zur Abfahrt in den Norden bereit.
KŽC 749 006 als T478.1006 mit dem R 1275 „Lužickohorský rychlík“ in Praha hl.n..
Für unsere Mitfahrt wählten wir den Halbgepäckwagen der Gattung BDs 449 (CZ- KŽC 51 54 82-40 422-2, Bautzen 1981). Der Zug füllte sich bei der Abfahrt in Praha hl.n. schon ordentlich, wir behielten das Abteil aber erst einmal für uns. Mit 2 Minuten Verspätung erfolgte 09:02 Uhr die Abfahrt und der Start in den dritten, wieder spätsommerlich schönen Tag. Ab Praha hl.n. nutzten wir bis Staré Splavy erst einmal Fahrkarten des PID für 156 Kč (6,53 €) & 78 Kč (3,26 €).
Ausfahrt in Praha hl.n. mit ČD 362 117 und dem R 945 "Hradečan", RJ 388 214 und dem RJ 1033 sowie ELL 193 293 und dem R 614 „Krušnohor“.
Seit der Saison 2021 verkehrte der Zug über Neratovice, Mladá Boleslav und Česká Lípa in den Schluckauer Zipfel. Bis Mikulášovice dolní nádraží legte er 180 Kilometer in 4 Stunden zurück. Zur Saison 2027 wird die Route bis Doksy wieder eingekürzt, nachdem der Zug vor 2021 bis Bezděz verkehrte.
In Neratovice wurde die Elbe überquert.
In Mladá Boleslav stießen wir langsam in das Desiro Gebiet vor. Diese haben den Liberecký kraj fest im Griff. DLB 642 322 als TL 6007 aus Rumburk.
Mit der Felsmauer wirkt der Bahnhof von Bakov nad Jizerou für mich wie auf einer Modelleisenbahn.
Der Zug war während seiner Fahrt gut ausgelastet. Es gab einen stetigen Wechsel zwischen Aus- und Zusteigenden. Auch die „RychBar“ im Gepäckabteil des Wagens wurde gut besucht. In Česká Lípa wurde es mit einer Reisegruppe noch einmal richtig voll und beim nächsten Halt in Česká Lípa střelnice bekamen wir dann auch Besuch in unserem Abteil. Bis dahin hatten wir es über 2 ½ Stunden für uns allein gehabt.
Wie näherten uns bei Nový Bor dem Lausitzer Vulkanfeld mit seinen vielen ehemaligen Vulkankegeln.
Ich genoss die letzten Kilometer meiner Frischluftkur. Die letzten 3 Tage hatte ich ordentlich Fahrtwind abbekommen.
Ursprünglich hatte ich vor, die komplette Strecke bis Mikulášovice dolní nádraží zu fahren und über Sebnitz wieder einzureisen. Da aber zwischen Dolní Poustevna und Bad Schandau Schienenersatzverkehr stattfand entschieden wir, in Rybniště umzusteigen und den Weg über Varnsdorf zurück nach Sachsen einzuschlagen.
Eine Minute nach Plan erreichten wir 12:16 Uhr nach 160 Kilometern Rybniště. Es war eine wunderbare Fahrt mit dem „Bardotka-Blubbern“ gewesen.
KŽC 749 006 mit dem R 1275 „Lužickohorský rychlík“ in Rybniště.
Der Zug verließ Rybniště für seine letzten 20 Kilometer bis Mikulášovice dolní nádraží.
In Rybniště hatten wir jetzt knapp eine Stunde Aufenthalt. Leider war sowohl vor, als auch hinter dem Empfangsgebäude ziemlich tote Hose. So saßen wird am Hausbahnsteig die Zeit einfach ab. Nach 30 Minuten kam ČD 642 404 aus Varnsdorf einfahren. Mit ihm wollten wir 13:10 Uhr dahin aufbrechen.
ČD 642 404 in Rybniště. Der Triebwagen war zuvor in Deutschland bei der Hessischen Landesbahn im Einsatz.
Pünktlich setzte sich der Triebwagen als Os 26064 für seine kurze Fahrt nach Varnsdorf in Bewegung. Neben uns waren nur eine Handvoll anderer Reisender an Bord. Nach 14 Minuten Fahrt war Varnsdorf erreicht. Wir stiegen aus, der Triebwagen fuhr nach knapp 20 Minuten Aufenthalt noch das kurze Stück bis zur Brauerei Haltestelle Varnsdorf-pivovar Kocour. Von Staré Splavy bis Varnsdorf hatten wir ein OneTicket für 136 Kč (5,69 €) & 68 Kč (2,85 €) genutzt.
ČD 642 404 nach der Ankunft in Varnsdorf. Nach Fahrtrichtungswechsel fuhr er noch 3 Kilometer bis Varnsdorf-pivovar Kocour .
Für uns ging es im nächsten Desiro, jetzt von der Länderbahn, zurück nach Deutschland. Mit dem TL 20919 aus Seifhennersdorf nach Liberec fuhren wir 13:42 Uhr das kurze Stück nach Mittelherwigsdorf. Ab sofort war ich wieder mit meinem Deutschlandticket unterwegs. Mein Vater nutze ein Regio120plus-Ticket für 30,70 €. Die Strecke von Rybniště nach Mittelherwigsdorf hatten wir noch nie bereist und eine weitere grenzüberschreitende Bahnlinie konnte abgehackt werden.
Einfahrt von DLB 642 310 als TL 20919 (Seifhennersdorf – Liberec) in Varnsdorf.
Direkt hinter der letzten Bahnhofsweiche von Varnsdorf verläuft die Staatsgrenze. Bis Mittelherwigsdorf waren es 10 Kilometer und 12 Minuten Fahrtzeit. Der Triebwagen war ab Varnsdorf gut besetzt und wir waren auch nicht die einzigen, die in Mittelherwigsdorf in Richtung Dresden umstiegen.
Nach den gepflegten tschechischen Bahnanlagen, auch auf Nebenstrecken, braucht es immer ein wenig, um sich wieder an den Anblick deutscher Bahnanlagen zu gewöhnen. Für uns stand als nächstes der „Bummelzug“ in Richtung Dresden auf dem Programm. Mit dem TL 20860 aus Zittau nach Dresden Hbf wollten wir die 95 Kilometer im nächsten Desiro bis Dresden-Neustadt zurücklegen.
Einfahrt von DLB 624 324 als TL 20860 aus Zittau nach Dresden Hbf in Mittelherwigsdorf.
Der Triebwagen war noch schwach besetzt und wir bekamen sogar eine der beiden Zweiersitzgruppen im ehemaligen 1. Klasse Bereich. Pünktlich 14:10 Uhr erfolgte die Abfahrt in Mittelherwigsdorf. Auf seinem Weg nach Dresden nahm die Anzahl der Reisenden im Triebwagen stetig zu und spätestens ab Bischofswerda gab es nicht mehr für alle Reisenden einen Sitzplatz. In unserer Zweiersitzgruppe direkt hinter dem Triebfahrzeugführer ließ es sich da sehr gut aushalten.
Blick auf Schirgiswalde.
Dresden-Neustadt erreichten wir pünktlich 15:54 Uhr. Hier hatten wir keinen langen Aufenthalt, denn bereits 16:05 Uhr setzten wir unsere Reise mit der RB 74066 der Mitteldeutschen Regiobahn fort. Von Februar bis November 2026 endeten auf Grund der Brückenbaustelle in Dresden Hbf die Regionalzüge aus Richtung Chemnitz in Dresden-Plauen oder Dresden-Neustadt. Dabei wurde die Verbindungskurve von Dresden Mitte nach Dresden-Altstadt befahren.
MRB 1440 206 übernahm an diesem Tag die Leistung der RB 74066 nach Zwickau (Sachs) Hbf.
Die Abfahrt in Dresden-Neustadt erfolge 16:05 Uhr und 81 Kilometer später war 17:26 Uhr Chemnitz Hbf erreicht. Von Praha hl.n. bis Chemnitz Hbf hatten wir an diesem Tag 357 Kilometer zurückgelegt. Im Chemnitzer Hauptbahnhof trennten sich die Wege von Vater und Sohn. Mein Vater fuhr 17:35 Uhr mit der C14 in Richtung Mittweida, während ich noch bis 18:07 Uhr auf die C13 in Richtung Burgstädt warten musste. In Wittgensdorf Mitte wurde ich 9 Minuten später von meinen Töchtern am Bahnsteig nach insgesamt 1.662 erlebnisreichen Kilometern abgeholt.
Ein Blick hinterher. Mit CB 690 438 endete die diesjährige Sommerausfahrt für mich daheim in Wittgensdorf Mitte.
Es waren wieder wunderbare drei Tage auf tschechischen Gleisen bei bestem Wetter gewesen. Trotz aller Neufahrzeuge mit Festverglasung konnten wir auch 2026 noch einmal quer durch das Land am Übersetzfenster reisen. Der planmäßige Einsatz der Bautzener Wagen bei der ČD wird aber wohl endgültig bald vorbei sein.