Seit nunmehr 9 Jahren hatten wir eine Strecke auf unserer Liste, die wir unbedingt noch einmal befahren wollten. Bei unserer Rundreise 2016 waren wir am Abend von Linz nach České Budějovice gereist. Durch zweimaligen Schienenersatzverkehr und einer sehr späten Uhrzeit hatten wir von der Bahnstrecke nicht sonderlich viel mitbekommen, konnten aber erahnen, durch welch schöne Landschaft sie führt. Dieses Jahr sollte es nun endlich soweit sein. Für die Fahrt nach Linz wählte ich nicht die durchgehenden EC von Praha nach Linz mit Festverglasung, sondern wir nutzten den Sp 3803 „Vltava Dunaj“, welcher aus ÖBB City-Shuttle Wagen gebildet war. Diese Wagen verfügen über Übersetzfenster, an welchem es sich einfach viel schöner Eisenbahn fahren lässt. Einem ÖBB-Taurus oblag die Traktion.
Die Strecke hat einiges an historischen Potential: Vor 200 Jahren begann der Bau der Pferdebahn Budweis-Linz-Gmunden, welche 1827 bis 1836 abschnittsweise eröffnet wurde. Sie war die erste öffentliche Eisenbahnlinie mit Personenverkehr auf dem europäischen Festland. Ab 1871 entstand als Ersatz für die Pferdebahn die heutige Eisenbahnstrecke, welche als Summerauer Bahn bezeichnet wird. Im Dezember 1872 wurde der Pferdebahnbetrieb eingestellt.
ÖBB 1116 061 kam mit dem Sp 3800 „Donau Moldau“ eingefahren und sollte nach kurzem Aufenthalt als Sp 3803 „Vltava Dunaj“ dahin zurückkehren. Links machte sich das Putzkommando für die kommenden Aufgaben bereit.
Wir nahmen im Steuerwagen, einem ÖBB Bmpz-s (A-ÖBB 50 81 80-73 125-1) Platz. Der Wagen war nicht sonderlich voll, so dass wir während der Fahrt immer zwischen den Seiten hin unter her wechselten konnten. Mit 3 Minuten Verspätung erfolgte 10:08 Uhr die Abfahrt für die nächste 126 Kilometer lange Etappe.
Blick auf das Depot in České Budějovice mit vielen Loks der Baureihe 242, welche zu ČD Cargo gewechselt sind.
In Rybník gibt es leider keine Bügeleisen nach Lipno nad Vltavou mehr zu sehen.
Tschechischer Grenzbahnhof Horní Dvořiště mit ÖBB 1116 055 und dem Gegenzug Sp 3802 nach České Budějovice.
Zwischen Horní Dvořiště und Sumerau befindet sich direkt auf der Landesgrenze zwischen Tschechien und Österreich die Systemtrennstelle.
Achtung Grenze. Die Fahrleitungsmasten wechselten von rund auf eckig, das Stromsystem von 25 kV (50 Hz) auf 15 kV (16,7 Hz).
Nach einer Stunde Fahrt erreichten wir den österreichischen Grenzbahnhof Summerau. Hier wechselte das Personal und die Kollegen von der ÖBB übernahmen den Zug. Bis Anfang 2024 wurden die Stationen zwischen Summerau und Linz umfassend saniert.
Einfahrt in Summerau.
Zwischen Gaisbach-Wartberg und Katsdorf hat man einen wunderbaren Blick über die Landschaft.
In Linz überquert die Strecke die Donau.
Einfahrt in Linz Hbf. Uns folgte die WB 974 nach Innsbruck Hbf.
Pünktlich 12:24 Uhr erreichten wir Linz Hbf. Es war eine wunderbare Fahrt bei herrlichem Wetter über eine schöne Strecke gewesen. In Linz bemerkten wir auch das erste Mal, dass es heute sehr warm werden sollte. Das Thermometer kratzte schon an der 30 Grad Marke. Durch den Fahrtwind am offenen Fenster hatten wir dies bis jetzt nicht so wahrgenommen. Wir hatten in Linz einen kleinen Aufenthalt und holten uns etwas zum Mittagessen. Anschließend setzten wir unsere Reise fort. Dazu stand am Bahnsteig 12 der R 5908 nach Passau Hbf bereit. Der Zug war ebenfalls aus City-Shuttle Wagen gebildet. Übersetzfenster statt Klimaanlage.
ÖBB 1144 126 „Herbert“ sollte den R 5908 nach Passau Hbf schieben.
Wir nahmen im ÖBB Bmpz-l (A-ÖBB 50 81 21-73 426-5) Platz und pünktlich 12:50 Uhr erfolgte die Abfahrt des Zuges. Wir wollten zwar nach Passau, aber der direkte Weg dahin war mir dann etwas zu langweilig. Daher stiegen wir nach 54 Kilometern in Neumark-Kallham wieder aus bzw. um. Mit einem Triebwagen der ÖBB Baureihe 5047 waren wir noch nie mitgefahren und so bot sich ein Umweg über Ried im Innkreis an, um einmal in den Genuss einer Fahrt zu kommen. Fünf Minuten nach unserer Ankunft setzte sich ÖBB 5047 002 als R 5972 für die 22 Kilometer lange Fahrt 13:41 Uhr in Bewegung.
Die Triebwagen wurden zwischen 1987 und 1995 von den Jenbacher Werken gebaut und versprühen im Innenraum durch die Brauntöne noch den Charme der 1980er Jahre. Natürlich verfügen sie über Übersetzfenster um die Nebenbahn am offenen Fenster zu genießen.
Wir verließen Neumark-Kallham.
Die Hauptstrecke nach Passau bog rechts ab.
Ankunft in Ried im Innkreis.
Nach 18 Minuten Fahrt war pünktlich 13:59 Uhr Ried im Innkreis erreicht. Hier stiegen wir am Nachbarbahnsteig in den nächsten ÖBB 5047 um. Mit ÖBB 5047 067 als R 3473 aus Attnang-Puchheim fuhren wir 14:08 Uhr weiter ins 34 Kilometer entfernte Schärding.
ÖBB 5047 067 als R 3473 nach Schärding und ÖBB 5047 002 als R 5972 aus Neumark-Kallham in Ried im Innkreis.
Neun Minuten nach unserer Ankunft verließen wir Ried im Innkreis schon wieder. Im Bild sind gleich fünf ÖBB 5047 zu sehen.
Bei der Fahrkartenkontrolle wurden wir etwas ungläubig angeschaut. Wir nutzten von Plzeň bis Passau ein First-Minute-Europe der ČD für 506 Kč (20,76 €) für einen Erwachsenen und 374 Kč (15,34 €) für einen Senior. Dies konnte ich mit dem Umweg über Ried im Innkreis so bei der ČD buchen. Seit České Budějovice bestand für alle fünf Züge bis Passau auch Zugbindung. So murmelte der Kundenbetreuer nur „Linz, Ried, Passau… Aha!“
Zwei Minuten vor Plan erreichten wir 14:44 Uhr Schärding. Für die kurze Etappe nach Passau wollten wir den R 1780 aus Linz nutzen. Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass der Zug auch aus City-Shuttle Wagen gebildet ist und war dann etwas verwundert, als eine ÖBB 4024 um die Ecke bog. Dies war aber planmäßig so. Na gut, dann eben Festverglasung statt Übersetzfenster. Bei 30 Grad war die Fahrt im klimatisierten Zug dann auch einmal ganz angenehm.
Einfahrt von ÖBB 4024 014 als R 1780 vom Linz Hbf nach Passau Hbf) in Schärding.
Es ging entlang der Donau nach Passau.
Überpünktlich erreichten wir 15:11 Uhr nach der kurzen Fahrt Passau Hbf. Wir hatten jetzt den ersten größeren Aufenthalt des Tages. Trotz der hohen Temperaturen entschieden wir, eine kleine Runde an die Donau und durch die Altstadt zu laufen um uns etwas die Beine zu vertreten.
Dom St. Stephan in Passau.
Wir waren rechtzeitig zurück am Bahnhof um unserer Reise fortzusetzen. Nächster Zwischenstopp war Regensburg und die Agilis sollte uns dahin bringen.
Agilis 1463 206 als ag 63072 nach Nürnberg Hbf in Passau Hbf.
Am Bahnsteig standen zwei vierteilige Siemens Mireo bereit und mit 8 Minuten Verspätung erfolgte 16:39 Uhr die Abfahrt. War der Zug am Anfang noch spärlich besetzt, so änderte sich dies in Plattling schlagartig. Hier quoll der Bahnsteig bei der Einfahrt des Zuges über. In Straubing war Gäubodenfest, nach dem Oktoberfest in München das zweitgrößte Volksfest Bayerns. Als Sachse, der mit solchen Festen auch nicht so viel anfangen kann, hat man so etwas nicht auf dem Schirm und wir waren doch sichtlich überrascht. In Straubing wurden dann die noch nüchternen Reisenden durch die schon angetrunkenen ausgetauscht.
Da wir noch an der Einfahrt in Regensburg warten mussten, erreichten wir den Regensburger Hauptbahnhof 17:58 Uhr nach 118 Kilometern mit 12 Minuten Verspätung. Wir stellten fest, dass wir die Streckensperrung Schwandorf – Regensburg ja jetzt, wenn auch in sehr großem Bogen, umfahren und gleichzeitig den Böhmerwald einmal umrundetet hatten. Unsere Tagesetappe war an diesem Tag noch nicht zu Ende. Bis zum nächsten Zug hatten wir aber noch etwas Zeit.
Weiter geht es im Teil 3.
Dieser erscheint dann im „Eisenbahnbetrieb deutschlandweit“ Unterforum.