#1 [CZ][SK] Tschechien ohne Knödel? – Teil 3/3 (m26B) von bahnsachse 07.02.2019 16:42

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Teil 1: [CZ][SK] Tschechien ohne Knödel? – Teil 1/3 (m22B)
Teil 2: [CZ][SK] Tschechien ohne Knödel? – Teil 2/3 (m26B)

07.07.2018

Unser Schlaf- und ein Liegewagen blieben in Břeclav 5 Stunden stehen und so stand einer ruhigen Nacht nichts im Wege. Am frühen Morgen ging es für beide Wagen am Zugschluss des IC 572 „Metropolitan“ weiter zum Zielbahnhof Praha hl.n.. Die Abfahrt in Břeclav um 05:07 Uhr habe ich noch verschlafen, weckte dann gegen 6 Uhr auf und beschloss, statt weiter zu schlafen lieber von meinem Bett aus dem Fenster zu schauen. Bei Ústí nad Orlicí weckte dann auch mein Vater auf und wir machten uns fertig für den Tag. Der Zug war mit 8 Minuten Verspätung unterwegs. Der Schlafwagenbetreuer brachte die Frühstücksboxen vorbei, wir hatten an diesem Morgen aber andere Pläne.

Wir hatten vor, im Speisewagen zu frühstücken. So machten wir uns auf den Weg und ließen unsere Rucksäcke im Abteil zurück. Leider kamen wir nicht weit, denn im Liegewagen standen wir vor einer verschlossenen Übergangstür zum nächsten Wagen. Kein Problem dachten wir, wir halten gleich in Pardubice. Wir gingen zurück um unsere Rucksäcke zu holen und wollten über den Bahnsteig den Wagen wechseln. Zurück im Schlafwagen fragte uns der Schlafwagenbetreuer, was den los sei. Ich erzählte von der verschlossenen Übergangstür. Er wollte uns helfen, nahm seinen Vierkant und begleitete uns in den Liegewagen. Dann öffnete er die Übergangstür und ließ uns durch. Wir verabschiedeten uns und liefen weiter. Ich wunderte mich schon, dass wir in einem Bautzener UIC-Y Wagen waren, welcher planmäßig eigentlich nicht im IC 572 eingereiht ist. Auch der nächste Wagen war einer. Zudem waren beiden Wagen menschenleer. Wir standen vor der nächsten Übergangstür und diese war auch verschlossen. Beide Wagen wurden mit dem Zug nach Prag überführt. Wir gingen zurück aber die Übergangstür zum Liegewagen war wieder verschlossen. Ebenso alle Einstiegstüren. Der Vierkant, der uns in dieser Situation hätten helfen können, lag natürlich zu Hause. Zum ersten Mal war ich einem Bautzener UIC-Y Wagen und wollte hier nicht sein.

Zum Glück hatte der Wagen Übersetzfenster und so öffneten wir es bei der Ankunft in Pardubice und riefen, auf Grund fehlender Tschechisch Kenntnisse, in Englisch um Hilfe. Leider interessierte dies auf dem Bahnsteig niemanden. Eine Zugbegleiterin direkt gegenüber drehte sich weg. Es half nur noch wildes Winken und irgendwann bekam es unser Zugbegleiter auch mit und setzte sich in unsere Richtung in Bewegung. Er befreite uns, konnte oder wollte meine Erklärungsversuche aber nicht verstehen und schimpfte uns Tschechisch noch hinterher. Wir hatten dem Zug weitere Minuten Verspätung eingebracht, was uns aber egal war. Auf diesen Schreck brauchten wir erstmal einen Kaffee und diesem bekamen wir samt eines leckeren Frühstücks bei der JLV im Speiewagen des Typs WRmee816 (CZ-ČD 61 54 88-81 019-8).


Zum Frühstück gab es Brötchen, Marmelade, Wurst, Käse und Rührei. Wir waren an diesem Morgen die einzigen Gäste.

Hinter Kolín horchten wir dann bei einer Durchsage auf: Die Strecke nach Prag ist gesperrt und der Zug sollte umgeleitet werden. In Praha-Libeň hatte es einen Personenunfall gegeben und der gesamte Verkehr von/nach Osten wurde über den Prager Güterring umgeleitet. Damit war unsere weitere Tagesplanung erst einmal dahin. Eigentlich hatten wir vor, mit dem Sp 1684 „Cyklo Brdy“, gezogen von einer Bardotka, nach Březnice zu fahren um von da über Písek, Plzeň und Cheb die Heimreise anzutreten. Wir erreichten Praha hl.n. mit 43 Minuten Verspätung um 08:50 Uhr aus Richtung Süden und überlegten, wie wir den Tag nun gestalten sollten.


Angekommen in Praha hl.n.. ČD 380 014 hatte den IC 572 von Břeclav gezogen.


Am Zugschluss hingen Schlaf- und Liegewagen, davor die beiden überführten B249.
Mit diesem WLABmz826 (CZ-ČD 61 54 72-91 011-1) waren wir bereits 2016 von Dresden nach Zürich unterwegs gewesen.


Wir drehten eine Runde durch den Bahnhof. In der Bahnhofshalle, vor der bekannten Anzeigetafel, war uns zu viel Trubel so dass wir uns am Hausbahnsteig auf einer Bank niederließen und überlegten, wir der Tag zu retten sei. Vertieft im Můj Vlak fuhr plötzlich vor unserer Nase KŽD T478.1006 mit dem R 1571 „Rakovnický rychlík“ nach Rakovník ein. Im Normalfall verlässt dieser, nur am Wochenende verkehrende Zug, Praha hl.n. um 08:25 Uhr. Ich hatte diese Verbindung bei meiner Reiseplanung mit auf dem Schrim aber wieder verworfen, da der Anschluss in Praha hl.n. vom IC 572 durch seine regelmäßige Verspätung nicht sicher erschien. Während die Lok um den Zug setzte prüfte ich noch schnell, ob mein Plan noch aufgehen würde. Er tat es und so stiegen wir ein, auch um dem kleinen Chaos in Prag zu entkommen.


Ein bekannter Anblick in Praha hl.n..


KŽD T478.1006 setzte um den Zug. Sie musste auch von Süden kommen und hatte dadurch ordentlich Verspätung.

Um 09:34 Uhr setzte sich der Zug, bestehend aus einem Ba und einem BDa der KŽD in Bewegung. Unsere Zuglok T478.1006 (749 006) war eine der fünf Vorserien-Bardotkas. Der „Rakovnický rychlík“ verkehrt seit 2017 am Wochenende und Feiertagen zwischen Ende März und Ende Oktober. Fahrkarten der ČD gelten an Bord eigentlich nicht. Wir probierten es trotzdem und zeigten unser Jízdenka na léto vor. Es wurde akzeptiert. Durch die Verspätung war der Zug spärlich besetzt und wir hatten im Ba (CZ- KŽD 50 54 20-41 272-6), einem ehemaligen B256 der ČD, ein Abteil für uns. Die Sonne lachte, der Tag war gerettet.


Überfahrt über die Moldau.


Warten auf Einfahrt in Praha-Smíchov.

Bis Praha-Smíchov kamen wir mehrfach an roten Signalen zum Stehen. Ab Praha-Smíchov fuhren wir dann auf Grund von Bauarbeiten im Bahnhof Beroun nicht über die Hauptbahn, sondern nahmen den Weg über Rudná u Prahy mit Fahrtrichtungswechsel in Beroun-Závodí.


In Beroun-Závodí setzte die Lok um den Zug. Rechts die Strecke von Prag, links nach Rakovník.


Blick in unser Abteil im Ba (CZ- KŽD 50 54 20-41 272-6).

Ab jetzt ging es durch das landschaftlich reizvolle Tal der Berounka.




In Roztoky u Křivoklátu warteten wir eine Zugkreuzung ab.


Ankunft in Rakovník.


Nebenbahnatmosphäre pur! KŽD T478.1006 ist in Rakovník schon bereit für die Rückfahrt nach Prag am Nachmittag.

Um 11:44 Uhr erreichten wir nach 90 km Rakovník. Es war eine herrlich Fahrt und eine Entschädigung für die Aufregung am Morgen. Von Rakovník war es nur noch ein Katzensprung bis zu unserem Etappenziel und so saßen wir 25 Minuten später im Os 19711 nach Kladno. Nach 9 Kilometern und 11 Minuten Fahrzeit verließen wir die RegioNova (ČD 814 100) wieder. Wir waren in Lužná u Rakovníka, einem 1.900 Einwohner zählenden Ort angekommen. Was will man hier in der böhmischen Pampa?

Auf den Gelände des Bahnbetriebswerkes der ehemaligen Buschtěhrader Eisenbahn befindet sich das Eisenbahnmuseum der České dráhy. Lange schon hatten wir einen Besuch auf dem Plan und nun sind wir unverhofft hier.


Eingang zu Eisenbahnmuseum. Der Eintritt betrug 90 Kč (3,50 €).


749 250, T679.1600 (781 600) und T669.0001 (770 001).


M262.076 (830 076).


Zurück am Bahnsteig war 354.7152 der KHKD mit einem Zug nach Kolešovice abfahrtsbereit.

Zwei Stunden Zeit reichten völlig aus und so waren wir wieder rechtzeitig am Bahnhof, um unseren Heimweg anzutreten. Die erste Etappe war dabei der Sp 1678 nach Jirkov, welchen wir bis Chomutov nutzen wollten. Die Leistung wurde von einer RegioNova (ČD 814 032) erbracht. Mit 7 Minuten Verspätung setzte sich der Triebwagen um 14:30 Uhr in Bewegung. Um 15:48 Uhr erreichten wir nach 66 Kilometern Chomutov.


ČD 814 032 in Lužná u Rakovníka. Im Hintergrund das Eisenbahnmuseum.


Blick in den Tagebau bei Chomutov.

Angekommen in Chomutov stand erst einmal der Gang zum Ticketschalter an. Wir benötigten für die deutsche Seite noch einen Fahrschein und da bot sich das Skupinová víkendová jízdenka+Německo region Karlovarský (Wochenend-Gruppenticket+Deutschland Region Karlsbad) für 329 Kč (12,65 €) für 2 Personen natürlich an.

Am Hausbahnsteig war währenddessen ČD 810 320 samt eines BDtax eingefahren, welcher uns nach Cranzahl bringen sollte. Unsere letzte Fahrt auf dieser Strecke war 5 Jahre her und so waren wir uns nicht mehr sicher, auf welcher Seite es den besseren Ausblick gibt. Wir entschieden uns für in Fahrtrichtung links, was sich als falsch herausstellen sollte. Ein Umsetzen während der Fahrt war leider nicht möglich, wenn nach uns füllte eine Gruppe Kinder den Triebwagen bis auf den letzten Platz. Wir warteten noch den Anschluss auf den verspäteten Rx 608 aus Prag ab. Mit 16 Minuten Verspätung setzte sich die Brotbüchse um 16:26 Uhr in Bewegung.


ČD 810 320 als Os 5298 nach Cranzahl. Im Hintergrund steht ČD 362 131 und ein RegioPanther (ČD 440 005).


ČD 362 122 mit dem verspäteten Rx 608 „Bílina“ bei der Einfahrt in Chomutov.

Der Beiwagen war auch sehr gut besetzt, so dass man dem Triebwagen seine Anstrengung beim erklimmen des Erzgebirgskamms anmerkte. Die Heizung lief bei 24 °C Außentemperatur auf vollen Touren, wahrscheinlich um die Wärme vom Motor abzuleiten. In České Hamry verließ dann auch die Gruppe Kinder den Triebwagen und es kehrte wieder etwas Ruhe ein.


Blick auf den Ort Bärenstein mit dem gleichnamigen Berg.


Pozor! Státní hranice - Achtung! Staatsgrenze<br>Wir überquerten das Pöhlbachtalviadukt und damit die Staatsgrenze Tschechien/Deutschland.

Mit 20 Minuten Verspätung erreichten wir Cranzahl um 18:10 Uhr. Unsere Ankunft wurde schon von einigen Fotografen erwartet. Trotz der Verspätung blieb noch genügend Zeit, das Umsetzen des Triebwagens zu dokumentieren. Die Abendsonne leuchtete den Bahnhof Cranzahl perfekt aus. Ich bekam die Möglichkeit meine beiden Eisenbahn-Hauptinteressengebiete Sächsische Schmalspurbahn und Tschechische Eisenbahn auf einem Bild zu vereinen.


ČD 810 320 setzte in Cranzahl um den Beiwagen.


ČD 810 320 und 99 1786 in Cranzahl. Im Hintergrund der Bärenstein.

Nachdem die Fotos im Kasten, bzw. auf Speicherkarte waren begab ich mich wieder zum Bahnsteig. Hier stand DB 642 056 bereit. Als RB 29028 fuhren wir 18:30 Uhr mit ihm ab. In Wilischthal, exakt in der Hälfte der Strecke nach Chemnitz, war diese auf Grund von Brückenbauarbeiten unterbrochen. Auf beiden Seiten der Brücke waren Behelfsbahnsteige angelegt und den Weg über die Zschopau durften wir zu Fuß zurücklegen. Auf der anderen Seite des Flusses wartete bereits die Straßenbahn auf uns. Auf Grund von Fahrzeugmangel hatte die Erzgebirgsbahn einen Citylink der City-Bahn Chemnitz angemietet, welcher uns die letzten 32 Kilometer bis Chemnitz brachte.


CB 690 431 am Behelfsbahnsteig in Wilischthal.

Um 20:01 Uhr kamen wir nach 1722 km und 18 benutzten Zügen wieder zurück in Chemnitz an. Es war wieder eine schöne Rundfahrt, auch wenn dieses Mal nicht alles ganz glatt lief. Knapp die Hälfte der Reise konnten wir dabei am offenen Übersetzfenster erleben.

Ich hoffe, der Reisebericht hat euch gefallen.

Viele Grüße
Stefan
#2 RE: [CZ][SK] Tschechien ohne Knödel? – Teil 3/3 (m26B) von Thomas Hälsig 07.02.2019 19:28

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Hallo Stefan,

es ist immer wieder eine große Freude bei euch virtuell mitzufahren, so verspürt man gleich selber den Drang ein Ticket zu lösen und in die (Tschechische) Bahn einzusteigen.

Vielen Dank für diesen Dreiteiler!

#3 RE: [CZ][SK] Tschechien ohne Knödel? – Teil 3/3 (m26B) von vogtlandbahner02 07.02.2019 19:58

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Hallo Stefan,

auch ich schließe mich an. Wie Thomas schon schrieb, ist es eine große Freude sich das anzuschauen und gleich das Gefühl zubekommen mitzufahren.
Super tolle Sache. Macht ja auch einen Haufen Arbeit das so aufzubereiten deswegen Hut ab von mir dafür.

Weiter so!!

VG Oliver

#4 RE: [CZ][SK] Tschechien ohne Knödel? – Teil 3/3 (m26B) von Bw Adorf 07.02.2019 20:26

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Ebenfalls von mir vielen Dank für den ausführlichen Bildbericht. Macht schon Lust, mal im CD-Gebiet mit dem Zug auf Reise zu gehen.

#5 RE: [CZ][SK] Tschechien ohne Knödel? – Teil 3/3 (m26B) von bahnsachse 08.02.2019 07:34

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Hallo in die Runde,

vielen Dank, das freut mich wenn der Reisebericht gefallen hat.

2019 sollte man Tschechien noch einmal auf der Schiene genießen bevor zum Fahrplanwechsel im Dezember Regiojet, Arriva und LeoExpress eine Menge Leistungen mit altem DB-Material übernehmen. Daher geht es dieses Jahr im Sommer auch wieder für mehrere Tage ins Nachbarland.

Viele Grüße
Stefan

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