#1 [SK/CZ] Malad in der Mala Fatra - Teil III (15B.) von Stromabnehmer 06.02.2021 22:35

Hallo,

nach doch recht erfolgreichen Tagen an Diesel- und E-Pisten, zwang uns ein Fehltritt zunächst zur Ruhe.

[www.eisenbahnforumvogtland.de]
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Im dritten und letzten Teil wagen wir allmählich wieder etwas mehr Bewegung sowohl an und neben den Schienensträngen.

Montag, 03.08.20

Dank der Ruhe am Vortag und des intensiven Kühlens war die Schwellung an diesem Morgen etwas zurückgegangen, leider traf das nicht auf die Schmerzen beim Auftreten zu. Aber von einer ebenfalls schmerzhaften Bänderverletzung ein paar Jahre zuvor wusste ich, dass Durchblutung die Heilung fördert. Also nach dem gemütlichen Frühstück die Schuhe geschnallt und ein kleiner, im gemächlichen Tempo vollführter Stadtrundgang in Angriff genommen. Die zentrale Lage der Ferienwohnung machte sich nun bezahlt. Apropos Ferienwohnung, diese befand sich direkt ggü. der i.d.R gut frequentierten zentralen Omnibusstation und auch nicht weit entfernt vom Hauptbahnhof. Das hört sich nun nicht gerade nach Urlaub an, aber dank hervorragend schallisolierter Fenster zur einen und einem sehr ruhigen „Innenhof“ zur anderen Seite (wo sinnvollerweise auch die Schlafzimmer lagen), konnte man sehr gut entspannen. Und warum nicht mal etwas mehr Zeit in der Unterkunft verbringen, schließlich zahlt man ja auch für die komplette Urlaubszeit, da kann man sie auch mal länger nutzen.


Leider habe ich den Fotoapparat beim Stadtspaziergang vergessen, so musste ich auf die integrierte Kamera des Mobiltelefons zurückgreifen, die bereits vor 5 Jahren zu den schlechteren ihrer Sorte zählte. Dabei hat die Stadt durchaus einige sehenswerte Ansichten zu bieten, wie dem mittelalterlichen Marktplatz mit der Jesuitenkirche beispielsweise

In den Stadtrundgang wurde noch ein kurzer Ausflug zum nahegelegenen Supermarkt integriert, aber danach war es erstmal definitiv genug der Bewegung. Die Schwellung hatte spürbar zugenommen, nach dem Mittagessen wurde wieder fleißig gekühlt. Ziemlich erfolgreich, so reifte zum mittleren Nachmittag die Überlegung, noch einmal die kurze Entfernung der Ferienwohnung zu zentralen Verkehrsknotenpunkten zu nutzen. Nein, nicht die ZOB, denn Busse hätte ich auch aus dem Fenster fotografieren können. Vielmehr kündigte das Eisenbahnblog sledovani mit 162 006 eine Lokomotive in grün-gelber Originalfarbgebung an, die in der Slowakei auch nur noch in überschaubarer Anzahl unterwegs sind. Bis jetzt noch kein Wort zum Wetter, das war auch nicht der Rede wert.

Aus dem Vorhaben, nur die eine Lok zu fotografieren, wurde dann ein Aufenthalt von zwei Stunden. Es gab aber auch viele verschiedene Fahrzeuge zu fotografieren. Glücklicherweise musste ich nicht viel umherlaufen.


Der Regionalverkehr um Žilina wird meist von Doppelstocktriebwagen der Baureihe 671 abgewickelt, dieser hier wird gleich den Bahnhof Richtung Čadča, gelegen im Dreiländereck Polen, Tschechien, Slowakei verlassen


Der Bahnhof bot ein abwechslungsreiches Programm, v.r.n.l.: 757 008 steht mit R 345 nach Zvolen abfahrbereit, „Hofhund“ 721 046 war mit dem Verschub von Reisezugwagen beschäftigt und das eigentliche Objekt der Begierde, 162 006 hat gerade an die Wagengarnitur des Os 3429 nach Liptovský Mikuláš gesetzt


Internationale Züge stellen einen nicht unbeträchtlichen Teil der in Žilina ankommenden Züge dar, 362 018 ist gerade mit Os 4475 aus dem polnischen Zwardoń eingetroffen


Auf allen Nebenstrecken der Slowakei zu finden, modernisierte Brotbüchsen der Baureihe 811. Wohin 811 023 den Bahnhof verließ, konnte ich im Nachhinein mithilfe des Kursbuches gar nicht zuordnen und an die Anzeige am Bahnhof kann ich mich nicht mehr erinnern, vielleicht sollte man doch Notizbuch führen. In Erinnerung bleibt aber der nette Tf, der den Fotografen mit allen möglichen optischen und akustischen Signalen passierte und erfreute


Kommen wir zurück zu den internationalen Zügen, die Tschechen schickten mit Ex 143 aus Prag eine besondere Maschine, 151 006 erhielt diese Sonderlackierung anlässlich des 25-jährigen Gründungsjubiläums der eng mit der České dráhy zusammenarbeitenden verkehrstechnischen Fakultät der Universität Pardubice. Die Gründung selbst war notwendig, da die bisherige staatliche Fakultät nach der Teilung der Tschechoslowakei auf slowakischem Boden verblieb


Zum Abschluss des Bahnhofsbegängnis‘ nochmal die volle Gorilla-Dröhnung, wo 350 015, vorne gerade mit RR 15711 aus Bratislava eingetroffen und 350 014 mit IC 45 die Unterschiede der beiden Lackierungsvarianten verdeutlichen

Nach der Fotosession wurde wieder zurück zur Ferienwohnung gehumpelt, dem Fuß reichte es für heute, den Abend wurde wieder gekühlt und gekühlt. Für den morgigen, leider schon wieder letzten vollständigen Tag versprach die Wettervorhersage wiederum nicht ganz so graue Bedingungen und sogar die Chance auf ein wenig Sonne.


Dienstag, 04.08.20

Also das mit den nicht ganz so grauen Bedingungen traf zumindest für den Morgen nicht zu, ganz im Gegenteil, es regnete. Aber nach zwei Tagen mehr oder weniger als Vollzeitcouchpotato war die Zeit reif für einen Ausflug. Schließlich musste sich das ganze Kühlen ja auch mal auszahlen. Die Schwellung war stark zurückgegangen, die Schmerzen weniger, aber alles machbar. In erster Linie wollte ich mit dem Nachwuchs nochmal par Seilbahn auf einen Berg hoch und das ein oder andere Eisenbahnfoto am Wegesrand nähme man dann einfach mit.
Welchen Berg? Selbstverständlich auf den höchsten der umgebenden Malá Fatra, den 1709 Meter hohen Veľký Kriváň, der seit 2006 mittels einer, auf den ein paar hundert Höhenmeter niedrigeren Snilovské sedlo führenden, Kabinenseilbahn ohne größere Schwierigkeiten erklommen werden kann, also sofern man nicht gerade einen geschwollenen und schmerzenden Fuß mit sich rumträgt. Die Talstation der Seilbahn befindet sich am Ende des Vrátna-Tals, das ausschließlich von Terchová am nördlichen Ende des Tals angefahren werden kann. Obwohl es von Žilina einen kürzeren Weg über schmalere Straßen dahin gibt, wählten wir bewusst den längeren Bogen südlich das Váh-Tal entlang bis Kraľovany und dann in das Orava-Tal abbiegend. Der Grund für den Umweg lag darin, dass sich in dessen Nähe Eisenbahnstrecken befanden und somit, sollte sich eine Fotomöglichkeit ergeben, ein dementsprechender Stopp eingelegt werden könnte. Und nachdem sich die Hinfahrt bis hinter Vrútky abgesehen von einem Tankstopp ereignislos präsentierte, lud ein scheinbar größer werdendes Wolkenloch zum Fotografieren ein. Dies sollte gleich genutzt werden. Beim Haltepunkt Šútovo-Ratkovo verläuft die Strecke unmittelbar zwischen der hier angestauten Váh und der Fernstraße, der bald auftauchende Schnellzug aus Bratislava könnte noch in dieses Loch passen. Leider brach das Wolkenloch recht schnell wieder zusammen und auch der Zug verspätete sich reichlich. Das war insofern schade, da eine 350 in der attraktiven „ÖBB“-Lackierung anstatt eines Vectrons den Zug bespannte.


Anstatt eines Vectrons war R 603, der hier gerade bei Šútovo-Ratkovo die Váh entlang kurvt, diesmal eine 350 vorgespannt

In Kraľovany bogen wir ins Oravatal ab, genau wie die Eisenbahnstrecke nach Trstená, die im ungefähren Zweistundentakt befahren wird, jedoch bis Párnica, wo wir das Tal wieder gen Berge verließen, kein wirkliches Motiv offerierte, da sie sich mehrheitlich hinter Bäumen versteckte.
Nachdem wir in Terchová ins bereits erwähnte Vrátna-Tal einbogen, zeigte sich immer mal die Sonne und beleuchteten die imposanten Felsgebilde am Rande dieses engen Tals. Etwas Ernüchterung machte sich beim Erreichen der Seilbahn breit, die führte direkt in die Wolken. Aber was soll’s, vielleicht zieht es ja noch auf. Tat es nicht, dafür war der Aufstieg auf den Gipfel kein Problem für den Fuß, der Abstieg jedoch umso mehr.


Das Vrátna-Tal imponiert mit sehenswerten Felsformationen nicht weit von der Talstation der Seilbahn entfernt


Der Gipfel des Veľký Kriváň, der bei gutem Wetter sicherlich eine hervorragende Aussicht bietet

Während der Rückfahrt aus den Bergen hinaus, lichteten sich die Wolken mehr und mehr, in Párnica, wo wir wieder auf zwei Eisenstränge stießen, schaute ich daher mal kurz an den Bahnhof und siehe da, in nicht einmal 15 Minuten würde aus passender, sprich nördlicher Richtung ein Zug erscheinen. Die Sonne stand zwar hoch und auch ein wenig zu spitz, aber immerhin, bis auf ein paar kurze Unterbrechungen schien sie und so konnte der Zug, eine modernisierte Büchse samt Beiwagen ohne großes Nervenaufreiben verewigt werden. Eine Zugverfolgung unterblieb, denn auf der Hinfahrt hatten sich schon keine Motive ins Gedächtnis gebrannt und zudem sah es in Richtung Váh-Tal deutlich bewölkter aus.


Äußerst pünktlich erschien 811 019, der als Os 7918 für die ca. 50 km von Trstená knapp 90 Minuten benötigte und dadurch nicht als ein konkurrenzfähiges Transportmittel erscheint

Tatsächlich hatten wir den Zug trotz des Zurückhumpelns zum Auto und sehr entspannter Fahrweise deutlich vor Kraľovany wieder eingeholt. Unser nächster Anlaufpunkt sollte aber wieder die Magistrale sein und zwar der durchaus bekannte Damm von Šútovo-Ratkovo, wo die Strecke zwischen der hier angestauten Váh und einem kleinen Teich verläuft. Der Himmel hielt auch einige große Wolkenlöcher bereit und als wir die Stelle erreichten, sah das gar nicht schlecht aus, denn an den Bergen im Hintergrund hielten sich einige dunkle Wolken und sorgten für Spannung im Bild. Zwei Züge standen an, ein Schnellzug mit Vectron und ein „Bummelzug“, aber nachdem lange die Sonne schien kam der Schnellzug im Vollschatten. Dazwischen riss es zwar wieder auf, aber ein Güterzug mochte nicht in der Lücke erscheinen und selbstverständlich schwand die Sonne dann auch wieder zum Personenzug, da ließe sich vielleicht noch etwas mit Bildbearbeitung machen, aber zufriedenstellend ist auch das Ergebnis nicht. Einziger Zug in voller Sonne in der Zeit war ein Nachschuss auf eine doppelte 813-Garnitur, die wohl überführt wurde.


Klappte leider nicht wie erhofft – der Damm von Šútovo-Ratkovo

Etwas frustriert ging es zurück zum Auto und dann in Richtung Žilina, ein kleiner touristischer Eckpunkt stand noch an, die Burg Strečno, die das bekannte Morgenmotiv nahe des gleichnamigen Haltepunkts bereichert. Aber wieder einmal machte uns der Verkehr zwischen Vrútky und Žilina einen Strich durch die Rechnung. Diesmal war es aber nicht nur Stop&Go, sondern es kam komplett zum Erliegen. Erst nach 20 Minuten ging es stoßweiße wieder voran, es musste also ein Unfall oder ein liegengebliebenes Fahrzeug gewesen sein. Eine gute dreiviertel Stunde verbrachten wir in dem Stau und die Erkenntnis wuchs, dass das wohl nix mehr mit der Burg werden würde, denn die schließt bereits 17:00 Uhr ihre Pforten. Erschwerend kam noch eine unliebsame Begegnung mit der Verkehrspolizei dazwischen, die mich, während sie an der Unfallstelle den einspurigen Verkehr regelte, rauswinkte. Ich hatte dem Polizisten wohl zu viel Abstand zum Vordermann gelassen. Zu meiner Entschuldigung muss ich anführen, dass die Unfallstelle direkt hinter einer Kurve lang und der Verkehr nach ein paar Hundert Metern immer wieder zum Erliegen kam und ich dann lieber länger langsam rolle, als länger zu stehen. In Summe ist man ja eh nicht schneller. Konnte natürlich keiner ahnen, dass dann gerade dort, wo man den Vordermann aus den Augen verlor auch gleich der Stau zu Ende ist. Im Nachhinein witzig war, dass er mich relativ lange auf Slowakisch ermahnte, ja geradezu anfuhr, auch nachdem ich ihm verdeutlichte nichts zu verstehen und auch sein der englischen Sprache mächtiger Kollege, der mir dann entspannt und gelassen den Sachverhalt erklärte, ihn darauf hinwies. Wahrscheinlich war er ähnlich frustriert über die Verkehrssituation wie wir. Das mit der Burg hatte sich dann also erledigt. Aber es war ja noch etwas Zeit und warum nicht trotzdem mal zur Burg hochlaufen. Während der Zeit im Auto, hatte sich der Fuß wieder erholt und, dass bergauf laufen erträglich war, hatte der Ausflug zum Veľký Kriváň ja gezeigt. Runter kommen sie ja bekanntlich alle ;) Der Aufstieg zur Burg erfolgte nicht ohne fotospezifischen Hintergedanken, denn was man von der Strecke aus sieht, müsste auch einen Blick auf die Strecke ermöglichen. Aber leider war die Seite zum Flusstal zumindest nahe des Wanderwegs stark bewaldet und ermöglichte keine Sicht und auf großes Rumsuchen hatte ich keine Lust. Von der Burg hätte man sicherlich eine schöne Sicht gehabt, aber die war ja nun schon zu. Immerhin kamen wir schnell zur Ferienwohnung und hatten einen entspannten letzten Abend vor uns.


Mittwoch, 05.08.20

Immer wieder schade, wenn ein Urlaub zu Ende geht. Das Wetter glich sich der Stimmung an, es war grau und trüb, ein paar Tropfen fielen. Die Wettervorhersage versprach aber für Tschechien Aufheiterungen, es böte sich also der ein oder andere Stopp an. Über die Autobahn gelangten wir recht schnell in Richtung tschechische Grenze und auch nachdem wir diese überschritten hatten kamen wir gut voran. Da es erst am Nachmittag sonniger werden sollte, hatte ich hier in diesem Bereich gar nicht nach potentiellen Zügen geschaut. Aber kurz hinter Uherský Brod, wir erinnern uns, hier führt die im Zwei-Stunden-Takt von „Taucherbrillen“ befahrene Strecke von bzw. nach Luhačovice entlang, erblickten wir aus dem Seitenfenster einen Schnellzug, bei welchem nur ein kurzer flüchtiger Blick ausreichte, um die Zuglok zu identifizieren, es handelte sich um den Brünner Farbexot 754 012. Durch die gut ausgebaute Straße hatten wir zwar schnell einen Vorsprung, der reichte aber nicht wirklich zur Stellensuche aus. Aber bis Staré Město u Uherského Hradiště, wo von Diesel- auf E-Traktion umgespannt wird, sollte es reichen, denn der Zug legt in Uherské Hradiště nochmal einen Halt ein.


In Staré Město u Uherského Hradiště trifft die Strecke aus Luhačovice auf die Strecke Břeclav-Přerov und wie schon bei der Hinfahrt war ein Schmückstück des Brünner Brillenbestands im Einsatz

Von Aufheiterungen war hier im Osten Tschechiens noch nichts zu sehen. Diese tauchten im Verlauf der Fahrt zwischen Brünn und Prag auf, die wieder von zahlreichen engen Baustellenabschnitten geprägt war. Bis Prag fuhren wir aber nicht, sondern verließen die Autobahn vorher und schlugen den Weg Richtung Tábor ein. Ziel war die abweichend vom im Süden Tschechiens üblichen Wechselstrom mit Gleichstrom elektrifizierte Lokalbahn nach Bechyně, die derzeit von Mittelführerstandslokomotiven der Baureihe 113 samt „Brotbüchsenbeiwagen“ befahren wird und schon länger auf meiner Liste stand. Erstes Motiv sollte die große Brücke in Tábor sein, aber dafür kamen wir leider ein wenig zu spät an und verpassten den Zug um ein paar Minuten. Also gleich zur avisierten Stelle für den Zug nach Bechyně, eine Feldwegbrücke bietet einen schönen Blick auf die Bahn samt der Stadtkulisse Tábors im Hintergrund. Die Wolken, die sich mehr und mehr aufzulösen schienen, spielten mit und bereicherten das Bild durchaus.


Da die Bestellerorganisation Strafzahlungen für Dieselverkehre unter Fahrleitung verlangt, sind die jahrelang üblichen Regionovas auf der Lokálka inzwischen passé und die sonst nur an Tagesrandlagen eingesetzten 113 bestreiten den Gesamtverkehr, so auch 113 004 mit Os 18414. Die lokbespannte Herrlichkeit könnte aber bald vorbei sein, denn die Beschaffung von Mehrsystemfahrzeugen ist angedacht.

Die geringe Geschwindigkeit des Zuges regte zu einer Verfolgung an, welche aber in Malšice, wo die Kreuzung mit dem Gegenzug stattfand ein Ende fand, denn am Gegenzug befand sich die seit der letzten Revision wieder in Auslieferungsfarben lackierte 113 001. Der erste Fotoversuch in der Ausfahrt Malšice misslang erstmal gründlich. Für die nächste Fahrt der „Retro-Lok“ fuhren wir wieder zur Feldwegbrücke. Leider lag ich mit meiner eine Stunde vorher getroffenen Annahme, dass sich die Wolken auflösen, falsch. Das Foto fiel den Wolken zum Opfer und auch die Verfolgung des Zuges bis zum Ziel in Bechyně brachte kein Sonnenfoto zustande, zweimal fehlten nur Sekunden zum voll ausgeleuchteten Bild. Es war zwar nicht geplant, aber da das bis jetzt so frustrierend verlief, entschied ich mich, es auch bei der Rückfahrt nochmal zu probieren. Schließlich war ja immer noch große blaue Flächen am Himmel auszumachen. Zur absoluten Nervenschlacht wurde gleich das erste Foto auf der kombinierten Straßen-/Schienenbrücke in Bechyně. Im 10-Sekunden-Takt wechselte das Licht zwischen Voll, Halb und gar nicht. Bei Zugdurchfahrt bzw. Überfahrt war es dann so irgendwie halb. Für am Nachmittag nach Tábor fahrende Züge existieren gar nicht viele Möglichkeiten, denn die Strecke verläuft zunächst von West nach Ost, bevor sie in Sudoměřice eine eher nordöstliche Richtung einschlägt. Ein größeres Wolkenloch versprach eine Chance auf ein Sonnenfoto zwischen Malšice und Tábor, bei Větrovy ergab sich von der Straße ein passabler und vor allem relativ sicher beleuchteter Blick. Der auf sich wartende Zug und heranziehende Wolken machten es abermals zur Zitterpartie, die aber glücklicherweise ganz knapp gewonnen wurde.


Ganz knapp rettete sich die wieder als E 426 0001 bezeichnete Lokomotive bei Větrovy vor den herannahenden Schatten ins Licht und ermöglichte nach vielen Fehlversuchen doch noch ein Sonnenbild der fotogenen Lok, da kann auch über die Einschränkungen durch die sich vor dem Zug befindlichen Freileitungsmasten hinweggesehen werden

Wir befanden uns nun schon tief im späten Nachmittag und hatten noch einiges an Heimweg vor uns, insbesondere mussten wir noch an Prag vorbei. Das Ganze gestaltete sich dann auch recht anstrengend, hinter Prag aber nahm die Verkehrsdichte schnell ab und wir rollten entspannt und zügig zugleich dem mittelsächsischen Heimatort entgegen.

Fazit

Aufgrund der Fußverletzung wird der Urlaub wahrscheinlich noch deutlich länger im Gedächtnis haften bleiben, aber auch ohne dieses Malheur ist die Slowakei ein erinnerungswürdiges Land, denn die gebirgige Landschaft der Malá Fatra oder Hohen Tatra bieten wahrlich wunderschöne Motive, wozu auch die zumeist lokbespannten Züge ihren Teil beitragen. Ein wenig enttäuscht war ich vom spärlichen Güterzugangebot auf der Ost-West-Magistrale. Da hatte ich doch deutlich häufiger Züge erwartet, als einen aller zwei Stunden im Schnitt. Aber vielleicht haben die im Netz verbreiteten Bilder auch falsche Erwartungen geweckt. Ebenso negativ muss ich leider die Straßenverkehrssituation beurteilen, denn wir standen doch ziemlich oft im Stau, obwohl die Straßen der Slowakei gar nicht mal schlecht ausgebaut sind und auch nicht übermäßig starker Verkehr herrscht. Kann natürlich sein, dass das einfach mal Pech war. Ansonsten bleibt die Ferienwohnung in Žilina positiv in Erinnerung, denn trotz ihrer zentralen Lage in der Nähe des Bahnhofs und der Omnibusstation konnten wir die Tage mit kaputtem Fuß und schlechtem Wetter in entspannter Ruhe in der Wohnung verbringen.
Von der Fotoausbeute her kann der Ausflug trotz des überschaubaren Güterverkehrs und der Tage, die zwecks Kühlen auf dem Sofa verbracht wurden, als Erfolg verbucht werden. Alle Vorhaben, sprich die slowakischen Klassiker (ein Bardotka-Bild, ein Brillen-Bild, Strečno, Tatrablick bei Štrba) ließen sich zufriedenstellend abhaken. Aber das Land bietet auch außerhalb der prominenten Motive noch viel mehr, sodass ein weiterer Besuch im Grunde zwingend erforderlich ist.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
björn

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