#1 Auf den Spuren des Weißen Goldes rund um Karlovy Vary. Teil 1 von bahnbilderbuch 20.06.2021 13:25

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In den letzten Wochen wurde das schöne Wetter im Gebirge genutzt um auf den Spuren des "Weißen Goldes" Kaolin in der Karlsbader Region zu wandeln. Natürlich lag das Hauptaugenmerk auf der Eisenbahn welche in diesem Zusammenhang eine nicht unwesentliche Rolle spielte beziehungsweise noch immer spielt. War es doch erst die Bahn welche es ermöglichte den Rohstoff und dessen Erzeugnisse in größeren Mengen günstig zu transportieren. Beginn des ersten Teiles ist der Bahnhof Nová Role (Neurohlau) an der Tart 142 Karlovy Vary - Johanngeorgenstadt. Neurohlau gehörte ursprünglich zur Lokalbahn Chodau – Neudek (Chodov - Nejdek). Nachdem 1899 die Strecke Karlsbad – Johanngeorgenstadt eröffnet war wurde der Abschnitt Nejdek - Nová Role dieser zugeordnet. Dadurch verlor der verbliebene Streckenast Nová Role nach Chodov an Bedeutung da der meiste Verkehr von Karlsbad Richtung Erzgebirge nun nicht mehr über Chodov sondern direkt auf kurzem Weg via Stará Role (Alt-Rohlau) abgewickelt wurde. Im Fahrplan von 1938 als Kursbuchstrecke 171f gelistet gab es sogar einen Zuglauf Schwarzenberg (Erzgeb) – Neu Rohlau – Chodau - Karlsbad. Hier kommt das "Weiße Gold" zum ersten mal ins Spiel. Direkt neben dem Bahnhof befinden sich die ehemaligen Bohemia-Keramische Werkstätten AG heute Karlovarský porcelán a.s. Thun. Während des Zweiten Weltkrieges entstand hier ein Konzentrationslager. Dieses war ein Außenlager des KZ Ravensbrück und danach des KZ Flossenbürg. Die Häftlinge mussten in dem von der SS beschlagnahmten Unternehmen arbeiten. Am 02.06.2021 stand 810 201-4 als Os27112 Nova Role - Loket předměstí neben der Porzellan Fabrik zur Abfahrt bereit.


Von Neurohlau nach Božičany (Poschetzau) der einzigen unterwegs Station bis Chodov (Chodau) an der Egertalbahn. Ende des 19. Jahrhunderts hatten der erfolgreiche Abbau von Kaolin und der damit verbundene Aufschwung der Porzellanherstellung in der Karlsbader Umgebung zur Gründung der Zettlitzer Kaolinwerke AG geführt, die 1892 den Markennamen Zettlitzer Kaolin registrieren ließ. Als direkter Nachfolger der Zettlitzer Kaolinwerke hat die Firma Sedlecký Kaolin A.s. heute ihren Hauptsitz nahe in Božicany und agiert als einer der führenden tschechischen Lieferanten von geschlämmten Kaolinen und Produkten auf Kaolinbasis, die vor allem für die Keramik-, Papier- und Chemieindustrie bestimmt sind. 810 201-4 als Os27112 Nova Role - Loket předměstí durcheilt am Nachmittag des 02.Juni den Haltepunkt ohne Stopp.


Im Gelände parkten zwei betagte Rangierdiesel. Hierbei handelt es sich um eine T 212.0 (Baureihe 702) und eine T 211.2 (701.3) mit der Nummer 701 315-4.


Die nächsten beiden Aufnahmen stammen aus dem Bahnhof Chodov an der Egertalbahn.




Wiederum nur einen Station liegt auf der kurzen fünf Kilometer langen Nebenbahn von Nové Sedlo (Neusattl) an der Srecke Chomutov – Cheb nach Loket (Elbogen). Hier in Loučky (Grünlas) direkt neben dem ehemaligen Bahnhof, heute nur noch Haltepunkt befindet sich die Porzellan Fabrik Rudolf Kämpf heute Leander Manufactory womit wir wiederum beim Kaolin dem "Weißen Gold" angekommen wären.


Bereits am 30.Mai wartete 810 548-8 als Os 27131 Loket - Chodov im Bahnhof von Loket auf Ausfahrt. Die gesamte historische Altstadt steht unter Denkmalschutz. Wegen seines Stadtbildes wurde Loket auch als Böhmisches Rothenburg gerühmt. Die Stadt ist traditionelles Ausflugsziel der Karlsbad Kurgesellschaft. Die Brüder Haidinger gründeten 1815 unter der Schirmherrschaft des Direktors der Wiener Porzellanfabrik, M. Niedermeyer, die Wiener Porzellanfabrik Elbogen. 1873 veräußerten die Haidinger-Erben die Fabrik an Springer & Oppenheimer. Als Springer & Co., wie der Firmenname nach dem Ausscheiden von Oppenheimer lautete, schloss sich das Unternehmen als einer der ersten Betriebe der 1918 gegründeten ÖPIAG* an. Nach 1945 wurden die Betriebe der EPIAG verstaatlicht und gingen später in Karlovarský Porcelán (heute Thun 1794 a. s.) auf.


Loket liegt malerisch auf einem dreiseitig von der Eger umflossenen Felsen. Die Flussbiegung ähnelt optisch einem Ellenbogen, was zur deutschen Ortsbezeichnung Elbogen führte. Schon Johann Wolfgang von Goethe, der mehrfach in Loket weilte, schwärmte vom böhmischen Rothenburg. Der von historischen Wohnhäusern gesäumte Marktplatz, die vom Bildhauer Karl Stülp gestaltete Dreifaltigkeitssäule, die St. Wenzels Kirche mit kunstvollem Interieur und das Rathaus im frühbarocken Stil


Bahnhof Loket předměstí (Elbogen Fabrik). Ursprünglich gehörte jener zur Eisenbahn Schönwehr–Elbogen welche am 7. Dezember 1901 eröffnet wurde. In Krásný Jez (Schönwehr) zweigte die Linie von der Strecke Karlsbad - Marienbad ab. Wegen Oberbauschäden musste am 31. Mai 1997 der Gesamtverkehr zwischen Loket předměstí und Krásný Jez eingestellt werden. 2013 wurde der 6 Kilometer lange Abschnitt Krásný Jez – Ležnice instandsetzen und seit dem für gelegentlichen Güterverkehr reaktiviert. Das kurze verbliebene Stück von Loket předměstí bis Loket hingegen wird mehrmals am Tag von der ehemaligen Elbogener Localbahn Strecke mit bedient. Die in Nové Sedlo u Lokte früher Neusattl kommende Strecke nach Loket wird jene zwei Kilomerter bis zum heutigen Streckenende verlängert.


Als letztes Bild dieses von 810 201-4 als Os27129 Loket předměstí - Chodov kurz nach der Eger Brücke im Stadtgebiet Loket. Der kleine Triebwagen hat gerade die Eger Brücke kurz nach dem Haltepunkt Loket předměstí (Elbogen Fabrik) verlassen und wird in kürze den Stadt Tunnel passieren um danach in den Bahnhof Elbogen einzufahren.


So das soll`s vom ersten Teil der Reise rund um Karlsbad mit dem Augenmerk auf Kaolin dem weißen Gold gewesen sein.

#2 RE: Auf den Spuren des Weißen Goldes rund um Karlovy Vary. Teil 1 von Der Bimmelbahner 20.06.2021 20:18

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Zitat von bahnbilderbuch im Beitrag #1

Von Neurohlau nach Božičany (Poschetzau) der einzigen unterwegs Station bis Chodov (Chodau) an der Egertalbahn.


Hallo "Bahnbilderbuch",

kleine Anmerkung: Zwichen Nová Role und Chodov gibt es neben dem Hp+Awanst Božičany auch noch den Haltepunkt Mirová (bis ca. um die Jahrtausendwende ebenfalls mit Awanst), die ich auch als "Station" verstehen würde. Zusätzlich gäbe es noch die Betriebsstellen Chodov "Umlenke" und einen nicht mehr genutzten Anschluss zwischen Božičany und Mirová (Weiche müsste aber noch liegen), aber das sind keine "Stationen" in dem von dir gemeinten Sinne.

VG Tobias

#3 RE: Auf den Spuren des Weißen Goldes rund um Karlovy Vary. Teil 1 von bahnbilderbuch 20.06.2021 20:27

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Danke für die Berichtigung. Mírová habe ich tatsächlich komplett ignoriert..

LG. Mirko

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