#1 Ach, wie war das frrrieher scheen...Zeitreise vom Elstertal bis Voitersreuth [25B.] von Taigatrommel 22.08.2021 19:50

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Hallo alle miteinander,

dieser Spruch ist schon ziemlich mohrenalt und ob es wirklich der Wahrheit entspricht, sei mal dahingestellt. Es war nicht immer alles besser, aber es war halt anders. Und trotz der voranschreitenden Zeit gibt es immer noch Gelegenheiten, die Vergangenheit wieder einzuholen. Die Züge mit 232 701 durchs Vogtland haben viele Hobbyfreunde aufschrecken lassen. Und dann fährt die Lok auch noch durchs Elstertal, wann gab es sowas zuletzt? Bei ihrem alten Besitzer wäre sie wohl nicht so einfach auf diese Route gekommen. Moki hatte ja schon einen schönen Artikel über den Schrottzug geschrieben, dem letzten Planzug durchs Elstertal mit BR 232.

Nun, nach längerer Zeit, finde ich mal die Gelegenheit, mein vorbereitetes Material einzustellen. Ich habe einiges zusammengetragen und hoffe, mir gelingt der akrobatische Spagat zwischen 1988 und 2021, denn in dieser Spanne bewegen wir uns.
Da ich bereits Bilder der ersten Fahrt gezeigt hatte, baue ich diese nicht mit ein, bei 25 gezeigten Bildern wäre das dann doch zuviel des Guten.
Starten wir also mit dem 11.08 diesen Jahres, 232 701 war früh morgens auf dem Weg nach Vojtanov und hatte Zeitz ziemlich "zeitig" verlassen. Ein erster Versuch im Elstertal konnte immerhin als 90% Erfolg verbucht werden, ehe es nach Rebersreuth ging. Die Straßensperrung zwischen Oelsnitz und Hundsgrün zieht sich nun schon fast zwei Jahre hin und soll zum Winteranfang nun endlich fertig sein. Ich positionierte mich kurz hinter der Straßenbrücke Rebersreuth, das Licht spitz im Einschnitt gen Adorf vor. Welcher Posten war das mal dort? gang232 dürfte aufklären können:



A pros pros gang232, den traf ich danach Einfahrt Bad Brambach, aber däi Sunn war weg im letzten Moment, ich drückte den Auslöser erst garnicht durch. In Vojtanov dann war der Gegenzug bereits da und die Lok stand auch gut passend in der Sonne. Einige Mitausüber der Freizeitaktivität waren mit von der Partie:



Die Fahrt des ersten Zugteils DGS 44394 nach Adorf sollte schwierig werden, der Sonnenstand ist ziemlich miserabel um diese Zeit. Bei Raun schaute ich mich etwas um, der immer noch ansässige Fdl beobachtete mein Treiben und so kam man schnell ins Gespräch. Auch moki bog später mit ein, der hatte auch nix besseres gefunden. Entsetzt wie ich vorher schaute er sich um, ob hier überhaupt noch etwas geht? Meine Lücke weiter hinten von einem kleinen Hügel aus hatten die neu ausgeschlagenen Äste zunichte gemacht, ohne große Vorarbeit nicht zu wiederholen. Ein schmales Fleckchen fand sich dann doch noch und immerhin hatte es trotz zunehmender Bewölkung am Kamm des Dreiländerecks noch für die Sonne gereicht:



Am 1.6.1991 war die Lok ebenfalls genau am selben Fleck und im Gegensatz zu heute war der lange Hufeisenbogen um Raun fast komplett frei. Auch die Überleitstelle machte noch ein wenig mehr Eindruck, aber der D366 Karola war mehr Blickfang an diesem Tag:



Einen kleinen Sprung abseits des Geschehens machen wir nun nach Netzschkau und ich denke auf dem Bild ist ersichtlich, das vom einstigen Charme der umfangreichen Gleisanlagen mal so 0,0 übrig geblieben ist. Am 28.7.1994 hatte die Lok den zuvor frisch sanierten 175 005+006 des neuen Besitzers Solaris am Haken, den ehem. Jugendklubzug der DR. Am 1. August 1994 sollte der Triebzug in Stuttgart-Vaihingen, das ist der Sitz der Firma IN-Bau GmbH, also dem Eigentümer von Solaris als Tochterfirma, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Umfunktioniert als Gaststätte, wurde er mehrmals von Vandalen und Spraykünstlern heimgesucht und befindet sich nun wieder im Sächischen Eisenbahnmuseum in Chemnitz Hilbersdorf, Solaris hat ihn dahin aus Dauerleihgabe abgegeben:



Von Netzschkau machen wir jetzt einen Ausflug in den tiefen grünen Wald. Zwischen Vojtanov, Plesna und Bad Brambach kreuzt die Strecke Plauen - Cheb öfter die Landesgrenze zwischen Deutschland und Tschechien, ganze 5x. Mit dem zweiten Zugteil DGS 44396 Vojtanov - Zeitz Gbf hat die Lok eben in diesem Moment die Landesgrenze überschritten und befindet sich für gut 1km wieder auf tschechischem Gebiet. Hier befindet sich diese Feldwegbrücke, die auch schon bessere Tage hatte. Ca. 300m hinter meinem Standort befindet sich die ersten Vorsignalbaken des Einfahrvorsignales Bad Brambach. Während sich das Vorsignal ca. 50m vor der Landesgrenze noch knapp auf tschechischem Gebiet befindet, steht das Einfahrsignal wieder auf deutschem Gebiet im Brambacher Ortsteil Forst. Auch das Planum des ehemals zweiten Streckengleises ist noch gut erkennbar, allerdings fehlt dieses seit 1945. Zum besseren Transport, vor allem von Containerladungen, wurde das Gleis etwas mehr Richtung Brückenmitte verlegt. Ansonsten kann man sich bei der Brückenkonstruktion kaum ersichtlich vorstellen, das hier noch ein zweiter Zug Platz gehabt hätte:



Die Zeit während der Zugvereinigung in Adorf nutzte ich für einen Stellungswechsel nach Oelsnitz. Dies hatte natürlich wieder die Umleitung mit dem Auto über Raasdorf zufolge. Im Obervogtländischen Sprachgebrauch nahe zu Böhmen hatte sich das Wort "Kirche" im Laufe der Zeit in "Käärng" verwandelt und eine besonders schöne "Käärng" steht eben hier, in der Teppichstadt an der Weißen Elster. Nun kann man über den Sprachkropf des ein oder anderen Mitvogtländers ja ausgiebig lachen und diskutieren, aber in dem Falle hatte ich etwas Stress, denn es wollte nicht mit aufs Bild, das "Goddshaus". So behalf ich mir und stieg auf das Dach des ehem. Gleiswaagenhäuschens und selbst da kam noch die Leiter drauf. In luftiger Höhe beobachtete ich das Geschehen, immerhin ein bisschen was war von der Kirche ist zu sehen, aber wie wirds mit den Wolken? Undefinierbares Gezirbel! Aber es sollte reichen, 30s vor der Wolke bog der Zug in den Bahnhof ein, auf seiner Fahrt nach Zeitz Gbf:



Am 15.08, ein So, dann erneut Alarm. 232 701 wieder auf dem Weg zur Grenze. Doch am Sonntag geht es immer etwas gemächlicher los. Nicht für den Tf, aber für die immer noch ansässigen Fdl. So verschob sich die Abfahrt in Gera in den Vormittag hinein, den Fotografen wird dies schon recht gewesen sein. Zwischen Wünschendorf und Berga liegt die Hammermichelbaude, ein altes Bauerngehöft, zu dem auch mal eine rustikal ausgestattete Wirtschaft gehört hat. Eines der beliebtesten Ausflugsziele im Elstertal liegt hier nur unweit der Strecke, direkt an der Einfahrt der Kleinstadt Berga. Für den DGS 41381 Gera Gbf - Vojtanov wird die Durchfahrt ziemlich spät frei, der Bahnübergang schaltet sich erst recht knapp vorher ein:



Wir bleiben vorort und drehen nun die Uhr um sage und schreibe über 33 Jahre zurück, zum 5.7.1988. Zum Tag des internationalen Journalismus waren 38 205 und 50 3576 mit einem vereinten Zug von SEx Wagen unterwegs. Dabei kam 50 3576 aus Zeulenroda, während 38 205 aus Bad Köstritz kam. Vereint ging es dann durchs Elstertal und über Neumark-Werdau-Seelingstädt zurück nach Gera, wo sich die Wege wieder trennten. Ein Laufweg, der heute bei weitem nicht mehr möglich ist. Die Freude der Fotografen damals war aufgrund der Städteexpresswagen nicht sehr groß, wäre es ja quasi wie eine BR 35 vor einem Interregio, aber aus heutiger Sicht sicherlich vertretbar:



Fast 8 Jahre danach, wächst links der Gleises so langsam eine Wand empor, ehe es im heutigen Zustand gipfelte. Die BR 234 war ebenso vor vier Jahren entstanden und in jenem Jahr wurden die letzten Exemplare umgebaut. Einsatzgebiet waren u.a sowohl der Nah-als auch der Regionalverkehr entlang der Elstertalbahn. 234 251 ist auf dem Weg nach Greiz:



Bleiben wir doch in Berga, 18.3.1990. 132 663, seinerzeits Planlok beim Bw Adorf und vom vergangenen Winter immer noch mit Schneepflug unterwegs, hat den TGag 47895 Eisenach - Adorf am Haken, der auch als "Millionenzug" bekannt wurde. Lauter fabrikneue Wartburg waren auf dem Weg nach Osten und nahmen so den Laufweg übers Elstertal. Der Zug war eine feste Leistung des Bw Reichenbach, Est Adorf, die den Zug in Gera übernahmen und ihn schließlich bis Vojtanov durchfuhren, natürlich mit Personalwechsel. Bis 1990 war Berga noch mit Formsignalen ausgestattet, was auch das Esig aus Richtung Greiz kommend beweist. Die noch heute vorhandenen HL-Signale wurden ab 1991 installiert und versehen ihren Dienst zuverlässig. 132 663 blieb noch lange dem Vogtland treu und kam nach einigen Ausflügen zu anderen Dienststellen, u.a Oberhausen noch sehr weit rum, ehe sie einige Jahre später zur DB Tochter in Bulgarien abgegeben wurde. Dort fährt sie noch heute, auch noch mit ihrer geänderten Schallisolierung an den Kühlkammergittern Bauart Shinsshield, welche sie in Reichenbach zusammen mit 234 578 1993 bekam:



Weiter flussaufwärts liegt eine weitere Mühle, die Eulamühle. Etwas nördlich davon, direkt unterhalb der Ortschaft Eula, verläuft die Strecke entlang einer langen Mauer parallel zum Fluss. Am selben Tag wie 132 663 ist auch 120 274 unterwegs, aber mit Dg 53681 Richtung Greiz. Die rechte Hand des Lokführers ruht genügsam auf der Seitenarmlehne des Fensters. Diese Stellung nahm ein bestimmter Greizer Kollege immer besonders gern ein, der Seiboth´s Karl. Sein Sohn schaffte es in Greiz ebenso zum Lokführer und verrichtet auch heute noch Dienst bei DB Cargo. Auch 120 274 ist wieder betriebsfähig und wird uns denk ich in 2022 noch erfreuen, vielleicht auch wieder auf ihrer alten Stammstrecke? Wir werden es erleben!



Vom Elstertal geht es ins Obere Vogtland und zwar an die "Schoohl" im Rauener Bogen. Das Motiv war mir eigentlich erst seit der Sonderfahrt der beiden 01.5 im Jahr 2015 hierlang bekannt und hatte es auch auf die Titelseite des EK geschafft. Dank des Zwischenhaltes in Adorf konnte man noch entspannt den Zug überholen. Doch die Ernüchterung kam schnell wieder zurück: Mein geplantes Motiv, die Lohberghütte oberhalb von Raun, lag trotz einer Uhrzeit von nach 10 Uhr immer noch im Schatten. Wo nun hin? Wolfgang berichtete mir schon ausführlich von der Rauener Schule und seinem Wirtshaus, doch manches darin mag in der Vergangenheit dem erlauchten Gaumen aus Sohl missfallen zu sein. "Däi Soohsn hot gschmeckt wie zammstn Gräääiine Friedrich"!. Da hatte das Desert bestimmt Ausfall. Heute ist es weder Schule noch Wirtshaus, sondern quasi ein umfunktionierter Bauernhof. Familie mit zwei Kindern und zwei verspielten Hunden, Traktor, Wiese und gehaltenes Vieh. Das Erklimmen des Bahndammes gestaltete sich schwieriger als gedacht, aber eine Lücke fand sich. Nur 10min später röhrte 232 701 schließlich an mir vorbei den Hengstberg empor:



Unweit vom Standpunkt, nur die Kurve weiter vor gen Hp Raun, kann man wunderbar auf die Gerade an der Abzweigstelle schauen. Viele Umleiter über Bad Brambach trieben mich die letzten Jahre immer wieder an meine "Hausstrecke". An jenem Herbsttag, es war der trübe 8.11.2016, sind 232 209 und 232 569 mit KT 52305 Duisburg - Lovosice auf dem Weg nach Tschechien. Kollege Steffen Köhn auf dem Führerstand ist kein Zwickauer, sondern einer von fünf ausgeliehenen Dresdner Tf-Kollegen. Anders hätte man die Umleitung hierlang personalmäßig nicht mehr stemmen können. Schon erstaunlich, wenn man bedenkt, das in Zwickau früher sehr viele Lokführer arbeiteten:



Wenn ich es schon aufgrund der Umstände nicht schaffte, so hat es doch einer geschafft, Freund Markus. Und das auch noch mit meinem Lieblingsrussen 232 280. Am 3.5.1995 bringt die Lok einen gemischten Güterzug nach Vojtanov an der Lohberghütte vorbei. Sie hat erst vor kurzem einen Umbau an ihren Dachsegmenten erhalten, wo ihr eine neue Einheit der Lüftungsgitter Bauart Klatte eingebaut wurde. Allerdings nicht komplett, sondern nur die erste Einheit nach dem Abgasschalldämpfer. Diese ungleichmäßige Ausstattung der 232er bei Umbau kann man übrigens bei vielen Maschinen sehr gut beobachten, 232 472 z.B fährt heute als Maschine mit neuen Kühllerlüftern genauso rum. Die Lohberghütte war zu jener und auch zu früheren Zeiten wohlberüchtigt für die "Abende der putzigen Lust". Da trafen sich viele Adorfer Kollegen, egal ob vom Stellwerk, Fahrdienst, Zugbegleiter usw. Es wurde gesoffen bis nichts mehr ging. Solche Veranstaltungen haben das Lokführerleben dann doch etwas bereichert:



Vor dem Ausflug ins Egertal noch ein schnelles Bild in Bad Brambach. So wurde mir von Freund AR berichtet, als er mir dieses Bild aushändigte. 232 626, welche zu dieser Zeit zum Bw Reichenbach gehörte, mit der ersten Regionalbahn früh morgens bei der Einfahrt in Bad Brambach am Posten 2. Die Schranke dient dem Anschluss einiger Häuser, welche sich auf der anderen Seite des BÜ´s befinden. Gleich danach folgt auch schon die Grenze nach CZ. Interessant: wenige hundert Meter weiter Richtung Oberbrambach befindet sich ein tschechischer Feldweg-BÜ, der wie ein typischer BÜ in CZ aussieht, aber deutsches Lichtzeichen und Ton von sich gibt. Dürfte ziemlich einmalig sein:



Schnee ist im oberen Vogtland keine Seltenheit und im November ist auch damit zu rechnen. Das aber innerhin von drei Tagen zwei Containerzüge von DB Cargo mit fester Handbremse um Bad Brambach liegenbleiben, damit konnte wohl keiner rechnen. Während es beim ersten Zug noch im Bahnhof selbst gemerkt wurde, blieb Zug Zwei direkt am ehem. Standort der Blockstelle Hengstberg liegen. Um die Weiterfahrt zu organisieren, mussten die Schadwagen, welche sich in beiden Fällen recht nah am Zugschluss befanden, ausrangiert werden. 232 255 und 587 eilten Lz aus Zwickau zur Hilfe. Am Vortag war 232 255 noch mit 232 330 in DT unterwegs, aber die 330 hauchte vor Bad Brambach entgültig aus und wurde in Zwickau durch die Reservelok 232 255 replatziert. Bei einsetzendem Schneefall wird grade der letzte und der vorletzte Containertragwagen vom Zugschluss abgesetzt. Er wird auf einem Nebengleis abgestellt, welches mittlerweile gesperrt ist. Nur einen Tag danach gesellt sich noch ein zweiter Wagen dazu. Sie werden später per Krahn entladen und ihre Fracht wird per LKW abtransportiert. Nach Instandsetzung vor Ort werden die Wagen später wieder abgeholt, ca. 9 Monate später:



Etwas südlich vom Bahnhof Bad Brambach liegt der Ortsteil Forst, wo am Hang die Eduardsruh liegt. Hier hinten ist man wirklich abgelegen und viele Wege enden auf einem Privatweg, was nicht nur die Parksituation per Auto erschwert, sondern bei Vergehen auch den Unmut der Anwohner auf sich zieht. Der hohe Damm, auf dem die Bahn gen Vojtanov läuft, wächst aber nicht so einfach zu, weshalb ich mir die Lage vor Ort einmal anschauen wollte bei Gelegenheit und siehe da, einiges war frisch freigeschnitten. 232 701 hat grade Zp1 von sich gegeben wegen des Überweges und rollt auf die Landesgrenze zu. Den Überweg nutzten die Bewohner des gegenüberliegenden Hauses samt Anbau, welches aber nun unbewohnt leer steht und dem Anschein nach schon seit einiger Zeit. Das Schloss an der Schranke am Überweg ist verschlossen und mitunter schon eingerostet, außer Fußgänger und Wanderern nutzt den Weg sicherlich keiner mehr:



Am selben Tag wie 232 280 war auch 232 483 am 3.5.1995 auf dem Weg nach Vojtanov, aber mit dem aus zwei Bom-Wagen bestehenden Regionalexpress am Morgen. Hier präsentiert sich der Damm noch freier und das Haus rechts noch bewohnt, alles macht allgemein einen gepflegteren Eindruck. Für einen langen Zug hätte man damals aber aufpassen müssen, das man den Zug nicht abschneidet. Das ist heute dann doch einfacher, auch wenn der Standort vom Baum aus 1995 so nicht mehr machbar ist in 2021. Ich war angenehm überrascht, dass das Motiv dennoch immer noch recht gut umsetzbar ist. Wer weiß wie lange noch:



Auch unser Zug kam dann in Vojtanov an und aufgrund der Zuglänge musste fast jeder Meter des Gleises bis zum Ausfahrsignal ausgenutzt werden. Der Bahnhof selbst liegt überwiegend im Gefälle Richtung Franzensbad und so berichteten viele Kollegen, man brauch nur die Bremse der Lok zu lösen und schon schiebt der Zug von hinten ganz allein aus dem Bahnhof heraus. Dies erfordert bei abzustellenden Zügen nicht nur einen verzweifelten Blick nach genug vorhandenen Handbremsen, man sollte auch die Lok genügend sichern. Ein Glück, das man bei der 232 auf 48 Graugussbremsklotzsohlen zählen kann, die schiebt so einfach nichts davon. An diesem Tag war noch kein Gegenzug im Bahnhof eingetroffen und so konnte diese Szenerie entstehen, welche der später ankommende Zug aus Rumänien zustellen sollte. Auch an diesem Tag versammelten sich wieder einige Hobbyfreunde in der Hitze:



Am 26.2.1996 waren die Temperaturen dann doch bedeutend kühler und Schnee war auch dabei. 232 079 kam als Lokzug 86810 mit 232 690 und 232 536 über die Grenze. Während 232 536 und 690 den hinter den Loks abgestellten Kokszug aus Ostrava nach Millingen Niederrhein wieder mitnehmen sollten, wartete 232 079 mit ihrem Tf auf den Eilzug 6366 zurück nach Reichenbach. Alle drei Loks waren damals mit einem Personal besetzt. Fast alles bekannte Gesichter eben und alle drei Personale versehen auch heute noch ihren Dienst bei der DB, selbst die drei 232er haben überlebt, 232 079 als ehem. Reichenbacher Maschine in EWR-Farben bei DB Schenker Rail Polska, nun wieder DB Cargo, 232 690 via MEG bei EBS und 232 536 nach Umbau zur 233 536 nun bei der Gysev in Ungarn als 648 002:



Wir wunderten uns, das der Zug heute nur so kurz ausfiel, was sich aber aufklären sollte. Man wollte nur eine Zughälfte abfahren, während die tschechischen Kollegen die zweite Zughälfte später nach Vojtanov bringen sollen. Diese war laut System noch bei Trebusice eingebucht, also bei Chomutov, weit weg. Für moki sollte es nochmal die Feldwegbrücke bei Plesna sein, lichttechnisch fuhr der Zug wieder zu einer bescheidenen Zeit. Am Kamm über Brambach wieder Quellwolken und auch ein Hauch von Schlonz. Trotz nicht 100% Sonne kann ich mit dem Ergebnis gut leben, als DGS 41380 Vojtanov - Zeitz Gbf um die Ecke bog mit einer schwer arbeitenden Maschine:



Dem Zug sollte es hinterher gehen, ich hatte vom befreundeten Kollegen aus Berga erfahren, das man vom Felsen gegenüber der Clodramühle wieder einen guten Blick auf die Bahn hat. Nun ist es dank Umleitung und sonstiger umwegsamer Straßen garnicht so einfach, dem Zug hierher hinterher zu kommen. Aber es gelang, nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir da. Nun noch den Hang hoch und möglichst fix, in Greiz war der Zug schonmal angekommen. Langsam stapften wir empor und oben angekommen ein wirklich schöner Blick, auch wenn nicht mehr so schön wie bei moki´s Schrottzugrückblick, aber besser als nichts. So versammelten sich auf engerem Raum ein paar Menschlein für ein Züglein, welches sich dann auch lautstark talwärts ankündigte. Ich versuchte zuerst einen Teleschuss ohne Himmel:



Ehe es mit normaler Brennweite noch ein weiteres Bild gab. Kollege Oli stand unten auf der Wiese, er hatte unseren Felsen nicht gefunden. Nun ragte der Spargel von Hochstativ empor, aber dank Photoshop ist das heute kein Thema mehr. Thema mehr denn je waren dann die abgesägten Baumspitzen am Gleis, was der Bauer nichtso lustig fand. Aber die Situation beruhigte sich schnell und am Ende waren alle zufrieden:



Am 3.5.1999 hatte es 232 205 ins Elstertal verschlagen, sie hatte RE-Dienst an diesem Tag. Am späten Nachmittag ging es wieder Richtung Gera an der Clodramühle vorbei mit RE 3380. Die spitz stehende Sonne lässt die seitlichen Konturen der Lok und Wagons sowie das abfließende Wasser vom Stauwehr der Weißen Elster in einem besonderen Licht zurück:



So, das war es nun und einige Stunden Arbeit gehen zuende.
Ich hoffe sehr, das diese wunderbaren Strecken nicht in komplette Vergessenheit geraten und ab und zu für solche Verkehre weiterhin genutzt bleiben. Aber da werden wir nicht mit eingebunden.

Liebe Grüße und schönen Sonntag

Toni

#2 RE: Ach, wie war das frrrieher scheen...Zeitreise vom Elstertal bis Voitersreuth [25B.] von Bernecker 22.08.2021 20:32

Servus Toni,

mal wieder ein Lob für Deine exzellenten Bilder !!!

Viele Grüße

Florian

#3 RE: Ach, wie war das frrrieher scheen...Zeitreise vom Elstertal bis Voitersreuth [25B.] von Der_Reichsbahner 22.08.2021 21:30

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Großes Lob! Nicht nur für die Bilder sondern auch für die Erklärungen. Hat Spaß gemacht zu schauen und zu lesen!

#4 Bewegte Momente mit 232 701 von Taigatrommel 24.08.2021 17:14

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sollte jemand noch etwas Lust auf 10min Film haben, 232 701 spielt hier eine nicht unbedeutende Rolle:



Gruß

Toni

#5 RE: Bewegte Momente mit 232 701 von Bärenteich 24.08.2021 21:14

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Noch eine Ergänzung zum historischen Teil - hier der Abbau des zweiten Gleises zwischen Bad Brambach und Vojtanov:

In allen Veröffentlichungen sind dazu unterschiedliche Daten enthalten, die meisten haben voneinder abgeschrieben zumeist von Rettig - aber auch das war nicht immer richtig.

Die Russen haben das 2. Gleis nur auf deutschen Gebiet in den Jahren 1945/1946 oder später abgebaut. Auf dem Gebiet der CSR blieb es erhalten.
So blieb das zweite Gleis zwischen Plesna und Vojtanav zunächst liegen. Ob das auch ab Brambach bis Plesna so war, weis ich nicht (ich vermute ja).
Der Zugverkehr wurde bis Mitte der 50er Jahre eingleisig auf dem Gleis der Fahrtrichtung PE durchgeführt. Ich habe ein datiertes Foto vom August 1952 vom Bärenteich auf dem die Gleislage deutlich zu erkennen ist, das rechte Gleis PE ist blank gefahren, das linke rostig.
Irgendwann später wurde der Betrieb auf das linke Gleis verlegt, nachdem es zuvor repariert wurde. Das rechte Gleis blieb unbenutzt liegen.
Ich nehme an, dass dann Mitte der 80er Jahre das Gleis etwas mittig gerückt und erneuert wurde, von da an lag dann nur noch ein Gleis in der Lage, wie es heute noch liegt, zumindest habe ich es Anfang der 90er Jahre bewusst so wahrgenommen.
Die Gleise auf dem deutschen Teil gehörten offensichtlich weiter zur Deutschen Reichsbahn, so war es den Schildern zu entnehmen: DR, Rbd Dresden, Bm Adorf; später ist man mit der Beschilderung den Strukturveränderung bei der DB nicht mehr nachgekommen (Da gibts bei Rettig ein dokumentarisches Foto von der Grenze in Vojtanov auf der Grenzbachbrücke, das es heute nicht mehr gibt. In der anderen Richtung nach Plesna steht ein gleichartiges rudimentär noch heute.)

Im übrigen werden die Gleise heute noch von der DB in Ordnung gehalten, wie zahlreiche Berichte von Bauzugeinsätzen hier im Forumberichteten.

Hier noch ein historisches Detail:
Damals gab es noch Streckenläufer, die täglich die Gleise abliefen, um Schäden zu erkennen und bei Möglichkeit sofort zu reparieren.
Der Streckenläufer kam von Bad Brambach mit dem Fahrrad, stellte sein Fahrrad am Schrankenposten ab und lief die Strecke ab und fuhr mit dem Fahrrad wieder ab.
Seinen Kontrollgang musste er in einem auf dem Posten ausliegenden Buch nachweisen.

Vielleicht kann zum zweiten Gleis zwischen Bad Brambach bis Vojtanov jemand mal konkret "forschen".
Irgendwo müssten doch die dazu passenden Unterlagen der Bahnmeisterei Adorf archiviert sein.

Gruss vom Bärenteich

#6 Das textlich begleitende von malo 25.08.2021 19:24

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Servus,

bei den Bildern, ganz klar, ohne wenn und aber! Wunderbar. Ausgesuchte Motive, und nicht nur "a freia Stell im Wald"!

Und es wurde getextet! Recherchiert und gebastelt. Derlei lohnt mehrmals gelesen zu werden.
Es liegt halt den meisten nicht mehr, wenn man nur "leikt" und den Daumen hoch hält. Die Information verkümmert. Da muß mehr kommen!
Was hier geschehen ist.

Früher war vieles besser, aber nicht alles.


Gruß,
malo

#7 Nach 232 701 kommt 132 088 von Taigatrommel 28.08.2021 10:58

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...kaum hat 232 701 ihren Einsatz im Elstertal beendet, hat 132 088 von SalzlandRail ihren Auftritt vor einem Schotterzug von Saalfeld nach Hof:



Gruß

Toni

#8 232 088 im Elstertal von Taigatrommel 31.08.2021 15:30

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und nun noch drei Bilder von 232 088 am letzten Wochenende. Nach einigen Stunden Wartezeit durfte die Maschine endlich in Saalfeld von der Leine. Über Triptis und Gera ging es nach Wünschendorf, wo zuerst die Kreuzung mit der Vogtlandbahn abgewartet werden musste. Danach setzte die Lok unter schrill klingendem Gepfeife des Turboladers ihren 1300t schweren Zug wieder gen Greiz in Bewegung:



Trotz des schon gen Abend neigenden Tages erwischte der Zug eine gute Lücke und konnte bis auf einen kurzen Halt im unteren Plauener Bahnhof durchfahren bis Weischlitz, wo ich ihn erneut in Empfang nahm, bevor die Lok ans andere Zugende setzte:



Das Licht verschwand so langsam und zur blauen Stunde hatte sich die Lok auf der anderen Seite eingefunden:



Über Plauen oberer Bahnhof ging es dann nach Hof, dem Ziel des Zuges. Im Anschluss fuhr die Lok noch Lz gen Gera zurück.

Gruß

Toni

#9 RE: 232 088 im Elstertal von Bw Adorf 01.09.2021 11:38

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Das Problem mit dem Bilder-Hoster scheint immer noch zu bestehen. Die Bilder werden nicht angezeigt.

#10 RE: 232 088 im Elstertal von Taigatrommel 07.09.2021 13:56

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Es sollte wieder gehen, wer möchte kann schauen.

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