#1 Rückblick 2021 - wieder einseitig [m12B] von GMWE 31.12.2021 12:55

Nachdem ich letztes Jahr schon nur auf eine Baureihe zurückgeblickt habe, will ich dieses Verfahren auch dieses Jahr fortsetzen. Damit es nicht zu langweilig wird, fällt der Blick in diesem Jahr auf eine andere Baureihe.
Noch sind die Reichsbahnmaschinen der Baureihe V 100 (und ihre modernisierten Varianten) auf den deutschen Schienen nicht wegzudenken. In unseren Breiten oft anzutreffen sind die Maschinen der PRESS, aber auch EBS oder WFL setzen zum Teil auf die robusten Maschinen. Selbst die "große Bahn" setzt die V 100 noch im Rangierdienst oder beim Bahnbau ein. Nicht zu vergessen sei die remotorisierte Variante beim Stahlwerk Thüringen.
Die Farbvarianten sind vielfältig, wobei auch noch einige Exemplare im ursprünglichen bordeauxrot unterwegs sind.

Januar

Der erste Monat des Jahres war recht schmuddelig. Wenn mal Wetter war, kam mir keine V100 vor die Linse.

Februar

Im Februar und März wurde auf der Saalbahn das erste Mal dieses Jahr kräftig gebaut. Angenehmer Nebeneffekt waren ein paar Bauzüge. Oftmals sammelt sich das Baumaterial in Göschwitz oder direkt in Saalfeld.


Nachdem sich der Winter in diesem Jahr doch für einige Tage von seiner schneereichen Seite zeigte, war es am 19. Februar damit schon wieder fast vorbei. Durch die letzten Schneereste brachte 204 237 der PRESS einen Langschienenzug nach Göschwitz. Am bekannten Blick auf die Dornburger Schlösser konnte zugeschlagen werden.

März

Zur zweiten Sammelstelle für Baumaterialien mauserte sich Saalfeld. Durch die Engpässe/Sperrungen im Saaletal bekam auch die Strecke Gera – Saalfeld mal wieder ein paar Güterzüge zu Gesicht.
Stellvertretend für diese Verkehre seien zwei Bilder gezeigt.


Wie so oft in 2021 zeigte sich das Wetter im März oft sehr durchwachsen. Ein Einsehen hatte der Wettergott aber Anfang März an bekannter Stelle in Dreitzsch als 204 347 und 354 der PRESS einen kurzen Schotterzug nach Saalfeld brachten und im passenden Wolkenloch unter gefährlicher Wolkenkulisse festgehalten werden konnten. Man muss eben auch mal Glück haben. Zur historischen Illusion hätten es ruhig noch braune Wagen sein dürfen – aber im digitalen Zeitalter ist ein Umlackieren für die Photoshop-Profis natürlich kein Problem.


Bei der PRESS wurde nicht gespart und so kam das nächste altrote Doppel schon Ende März um Saalfeld zum Einsatz. Mit einem Schwellenzug erklimmen 204 271 und 114 703 die Unterwellenborner Rampe. Im Hintergrund der „Kulm“, dessen Hotel gerade eine Auffrischungskur erfährt. Eine Hektometertafel wurde digital entfernt.

April

Falls sich jemand bis jetzt von altrot gelangweilt fühlt: Es kommen ja noch die versprochenen anderen Farbvarianten.
Schon länger hatte mich der Holzabtransport in Lauscha gereizt. Die Schwierigkeit des Unterfangens lag natürlich wieder in der passenden Kombination aus Urlaub, gutem Wetter und „fährt er denn überhaupt?“. Am 23. April waren die Umstände optimal. In der Heimat zog ein Wolkenband durch, aber im Thüringer Wald verhieß die Vorhersage sichere Bedingungen.
Wie das nun immer so ist, war bei der ersten Runde ab Lauscha der Wurm drin: Wolkenverhangene Rangiertätigkeit im Bahnhof, erstes Motiv verpasst durch Trödeln, zweites Motiv, Wolkenschaden.
Entschädigung dann bei der zweiten Runde. Eine gefühlte Ewigkeit nachdem der zweite Leerzug von Sonneberg nach Lauscha startete, die ich anderweitig nutzte, waren die paar Wagen nun beladen.


Die PRESS hatte dieses Jahr vor allem 204 311 in Sonneberg stationiert (standesgemäß im ehemaligen Lbf). Damit es für die Leser dieses Beitrags nicht zu altrot wird, fiel die Lok vor kurzem auch in den blauen Farbtopf. Nach dem Beladen zieht die Lok ihre Wagen aus dem Ladegleis über das Lauschaer Viadukt in Richtung Probstzella, um den Zug dann wieder in den Bahnhof zu drücken und dann Richtung Sonneberg abzufahren. Unterwegs gibt es einen Halt in Blechhammer, so dass man den Zug noch einmal gemütlich überholen kann.
Der Holzverkehr per Schiene klingt in den Ohren der Eisenbahnfreunde natürlich erstmal toll. Betrachtet man allerdings die dafür gerodeten (toten) Wälder im Gebiet zwischen Sonneberg und Probstzella, bekommt die Sache sehr schnell eine unschöne Seite.


Mai

Neben dem unberechenbaren Wetter war 2021 auch von einer relativ späten Blüte geprägt. Als es dann richtig los ging, sollte auch mal ein Rapsfeld mit umgesetzt werden.
Dafür bot sich eine Sonderfahrt der PRESS Ende Mai über Gera – Saalfeld nach Katzhütte an.


Großes Zittern war mal wieder angesagt, als „der Muff“ 112 565 den Sonderzug ins Schwarzatal brachte. Trotzdem lohnte sich der Ausflug „ins Gelbe“. Ohne Mitropa hätte man den Ausflug auf die Nebenbahnen der 90er authentisch dargestellt. Aber es soll ja auch an die Versorgung der Ausflügler gedacht sein.

Juni

Nachdem wir uns bis jetzt ausschließlich beim EVU mit Sitz in Jöhstadt aufhielten, wird es höchste Zeit nach neuen Farben zu schauen.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist in Unterwellenborn ein Stahlwerk angesiedelt. Seit Mitte der 1990er Jahre formiert es unter dem Namen „Stahlwerk Thüringen“. Das zugehörige EVU betreibt die Werkbahn mit sechs Lokomotiven der Baureihe V 100. Es handelt sich ausschließlich um modernisierte Maschinen, die seit einigen Jahren in orange mit blauen Zierstreifen tagtäglich zuverlässig ihre Arbeit verrichten.


Auch wenn das Schild anderes behauptet: Für mich war es an diesem frühen Morgen im Juni keineswegs lebensgefährlich ein Motiv einzufangen, was man so wohl nur im Hochsommer umsetzen kann. Lok 28 (203 003, ex 202 855) des Stahlwerks Thüringen drückt ihren Zug mit leeren Flachwagen zur Beladung ins Werk und passiert gerade die Grenze zum Betriebsgelände. Mehrmals täglich pendeln die Maschinen hier zwischen dem Werk und dem Bahnhof Könitz. Dort übernimmt DB Cargo, SWT selbst (Schrottzug von/nach Cheb) oder auch RBB.

Juli

Auch der Erfurter Bahnservice hält noch betriebsfähige V 100 bereit. Mit 110 001 sogar ein ganz besonderes Exemplar. Am 30. Juli war die Lok mit dem „FUX“ („Finne-Unstrut-Express“) mit Wagen im Städteexpress-Design mal wieder unterwegs.


Den Charme längst verschwundener Nebenbahnromantik, wie sie in Thüringen bis in die späten 1990er Jahre noch zu finden war, brachte 110 001 des EBS mit ihren zwei Wagen kurzzeitig zurück. Natürlich wird es diese Kombination in Städteexpressfarben nicht regelmäßig gegeben haben. Trotzdem nutzte ich die Gelegenheit um den Zug auf seinem Weg nach Großheringen abzulichten.

August

Aufgrund großer Niederschläge wurden Teile Deutschlands von Hochwassern heimgesucht. Auch das Elbtal war wieder betroffen und somit ruhte der Eisenbahnverkehr oder konnte nur teilweise abgewickelt werden. Die Hoffnung auf Umleiter stieg und es fuhren einige Züge über Hof/Marktredwitz. Als nun auch noch das Vogtland gesperrt war, mussten besondere Wege bestritten werden. So fuhr der Leerkokszug aus Glauchau über Gera und Hof nach Tschechien.


Der Schein am 10. August trügt: Ein sicheres Foto war von 204 311 und 022 der PRESS nicht zu erwarten, zog doch im Rücken eine riesige Wolkenfront auf. Kurz vor dem Verschwinden der Sonne kam dann aber der umgeleitete Kokszug aus Glauchau doch noch angerollt und brachte eine besondere Leistung auf die Strecken um Gera. Ein weiteres Foto nach dem Kopfmachen in Gera war dann aufgrund der Wetterfront nicht mehr möglich.

September

DB Netz betreibt noch einige V 100. In der Region sind sie eher in der Unkrautbekämpfung anzutreffen. Dieses Jahr zog sich die „Spritztour“ ins zweite Drittel des Jahres.


Nach einer Vogtlandrunde begaben sich 203 311 und 312 mit dem neuen Spritzzug in den wohlverdienten Feierabend im Geraer Hauptbahnhof. Im „Werk Gera“ genoss 232 701 der ARP noch ein wenig die letzten Sonnenstrahlen.

Oktober

Im Oktober wurden Bahnhofsgleise in Könitz erneuert. Dazu war ein kurzer Umbauzug vor Ort. Als Lokomotive war 202 822 der WFL eingeteilt. Sie ist eine der wenigen WFL V 100 ohne großen Alstrom-Kuraufenthalt.


Im Abstellgleis 4 wartet 202 822 WFL im Bahnhof Könitz mit einem kurzen Umbauzug auf neue Aufgaben im Bauzugdienst zur Erneuuerung der Bahnhofsgleise.

November

Die Monate November und Dezember hielten nur selten gutes Wetter bereit. So hat man eben mal geschaut, was bei kurzen wolkenfreien Phasen zu erreichen war. Wieder war die Anlaufstelle die Werkbahn des Stahlwerks und man wurde in der Beladung fündig.


An dieser Stelle noch über die Büsche zu blicken, ist gar nicht so einfach. Mit zwei großen Verladekränen, der vordere bis 22 t, werden die fertigen Stahlträger entweder auf LKW oder die bereitstehenden Wagen verladen. Lok 29 (203-29, alias 203 013, ex 202 784) hat gerade leere Wagen gebracht und wird gleich Lz verschwinden. Vorher konnte ich noch auslösen.

Dezember

Auch im letzten Monat des Jahres beschränkten sich die Fotoaktivitäten auf ein Minimum. Die V 100 Fans wurden – wenn auch nur in remotorisierter Variante – jedoch belohnt mit der Bespannung des bekannten Schrottzuges Cheb – Könitz mit Einfach- oder Doppeltraktion durch das Stahlwerk Thüringen. Die eigentliche Zuglok 76 111 befand sich bis Jahresende nicht im Lande. Eine willkommene Abwechslung an dieser Leistung.


Besonderen Wert auf Sauberkeit wird bei den Werks-V 100 der Maxhütte Unterwellenborn nicht immer gelegt. So kamen auch 203 405 (ex 202 405) und 203 383 (ex 202 383) mit ihrem Schrottzug aus Tschechien mit „Arbeitspatina“ daher. Immerhin sind die kaum beschmierten Wagen der ČD Cargo im Vergleich zur deutschen Variante eine Augenweide.


Auch im Jahr 2021 vermittelte die V 100 in unseren Breiten noch manchmal den Charme der guten alten Nebenbahn, wie man sie aus vergangenen Tagen kennt.

Dank geht auch in diesen Jahr an alle Informanten und fleißigen Melder, die zum Gelingen so mancher Aufnahme maßgeblich beigetragen haben.

Ich wünsche einen guten Rutsch und ein hoffentlich fotofreundlicheres 2022!

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