#1 [FR] Nordfrankreich 2021 - Wenn der Nachschuss den Tag rettet Teil II [17B.] von Stromabnehmer 15.01.2022 21:59

Hallo,

nach Teil I der Retrospektive unseres Sommerurlaubs in Frankreich

[www.eisenbahnforumvogtland.de]

folgt nun Teil II, in welchem wir die Normandie näher erkunden.


Donnerstag, 29.07.21

Wie schon im letzten Teil beschrieben, die erste Nacht in fremden Betten ist meist ebenso befremdlich. Glücklicherweise gehörte diese zu den Ausnahmen der Regel. Es krähte kein Hahn und man lag recht gut. Einzig mit der in vielen Ländern verbreiteten Eigenart, Doppelbetten mit lediglich einer großen Decke auszustatten kann ich nach wie vor nicht viel anfangen.
Auf der Tagesagenda stand heute eine Wanderung nach Fécamp, die nächstgelegene größere Stadt, welche auch auf dem Schienenweg erreicht werden kann, gleichwohl mit einem typisch französischen Angebot mit mehrstündigen Taktlücken über den Tag. Das Wetter zeigte sich ideal zum Wandern. Die Temperaturen lagen um die 20°C und am Himmel herrschte ein munterer Sonne-Wolken-Mix, wobei die Wolken doch etwas überwogen. Der Blick ins Landesinnere ließ zudem eine Zunahme der Bewölkung in diese Richtung erkennen.
Es ließ sich sehr schön wandern. Zunächst entlang der Felder oberhalb der Steilküste, wechselten wir im kleinen Ort Grainval hinunter an die Küste und legten die restlichen Meter im Schatten der imposanten Felsen zurück, wenngleich Warnschilder vor abstürzenden Felsen warnten und einige „herumliegende“ Felsstürze das auch bestätigten. Da derzeit aber Ebbe herrschte, konnte man einen beruhigenden Sicherheitsabstand herstellen. Wobei es sich auf diesen, aller 6 Stunden unter Wasser stehenden Boden, etwas schwieriger lief.


Von den Feldern oberhalb der Steilküste fällt der Blick auf das Meer und die vor Anker liegende „Lady Claudia“, die hier die Flut abwartete um sicher in den Hafen von Fécamp einlaufen zu können.


Der Weg zum Strand in Grainval, wäre auch eine schöne Eisenbahnbrücke, dient aber lediglich einer Rohrleitung

In Fécamp angekommen, entspannten wir erstmal ein wenig am Strand und verzehrten unseren Proviant, die Mittagszeit war ja auch schon angebrochen. Dann gab es einen kleinen Hafenbummel, bevor uns hinauf zum Kap Fagnet begaben, der mit 110 Meter höchstgelegene Punkt der Alabasterküste genannten Steilküstenlinie der Normandie. Dort befindet sich neben einer, natürlich Notre-Dame genannten, Kapelle auch eine Radarstation der französischen Marine. Allerdings wurde hier schon mal eine Radarstation errichtet und deren Überreste bilden ein Mahnmal an eine sehr dunkle Zeit in der Deutsch-Französischen Geschichte.


Blick vom Kap Fagnet auf die noch erhaltenen Bunker der deutschen Radarstation. Im Hintergrund die Küste zwischen Fécamp und Yport, welches sich links neben den Sockeln der geplanten aber nie errichteten Radaranlage MAMMUT befindet.

Nach ausgiebigem Genuss der Aussicht auf die schier endlos erscheinende Steilküste, statteten wir dem kleinen Imbiss am Touri-Parkplatz noch einen kleinen Besuch ab. Süßes für den Nachwuchs und Papa konnte bei der Bestellung eines „1664“ die Aussprache französischer Zahlen „entrosten“. Die im Freien befindlichen Bänke boten einen herrlichen Ausblick auf Stadt und Hafen von Fécamp. Auch die Ankunft und Abfahrt des Mittagszuges aus Le Havre konnten wir von hier aus beobachten, es handelte sich um einen einzelnen „Walfisch“. Der nächste Zug sollte dann erst in 4h wieder Fécamp erreichen. Man hätte hier oben noch ein paar Stunden verweilen können, aber es stand ja noch der Heimweg an. Am Strand legten wir abermals einen kurzen Stopp ein und bemerkten dabei, dass das den ganzen Tag vor Anker liegende Schiff den Weg in Richtung Hafeneinfahrt eingeschlagen hat. Das Schiff war jetzt nicht wirklich riesig, in Hamburg würde man es wohl als Winzling bezeichnen, aber in Fécamps doch eher von kleineren Wassergefährten gesäumten Hafen, machte der Pott schon etwas her. Leider erreicht ich einen richtig schönen Fotopunkt an der Hafenmole nicht rechtzeitig, da blieb nur der Nachschuss :-)


Die knapp über einhundert Meter lange Lady Claudia läuft dank Flut in den Hafen von Fécamp ein. Laut marinetraffic.com kann man sie wohl öfter hier antreffen.

Danach nahmen wir den Rückweg in Angriff, bei welchem wir aufgrund der nun vorherrschenden Flut komplett über die Felder oberhalb der Steilküste liefen. Da wir nicht so spät die Campinghütte erreichten und sich das Wetter gefühlt ein wenig verbesserte, erlaubte ich mir noch einen abendlichen Fotoausflug an die Nebenstrecke nach Fécamp, denn abends existiert hier tatsächlich ein Stundentakt. Streckenkenntnis hatte ich keine, auch Fotos bei der Recherche vorab nicht erblickt. Das kann natürlich am recht eintönigen Triebwageneinsatz liegen und auch die Walfische sind ja nicht jedermanns Sache. Tatsächlich erwies sich aber bereits die erste per Satellitenbild ausgeguckte Stelle schon als passend. Bei Tourville-les-Ifs entdeckte ich einen schönen Blick von einem Feldrand auf die Strecke und ein paar Häuser des Ortes samt Kirche im Hintergrund. Den Vordergrund bereicherten sogar zwei an der Tränke stehende Pferde. Allerdings verschwand die Sonne ungefähr zwei Minuten vor der Zugdurchfahrt hinter den Wolken. Äußerst ärgerlich, aber da der Triebwagen nach kurzer Wendezeit in Fécamp wieder zurückkehrt, suchte ich mir dafür noch eine Stelle. Die Information, dass das mit dem Abendessen auch noch etwas dauern würde, begünstigte die Entscheidung zusätzlich. Ebenfalls bei Tourville-les-Ifs überquert eine kleine Brücke die Strecke. Man kann diese auch selbst als Motiv nehmen, aber das war ganz schön zugekrautet, zudem war der Lichtstand nicht wirklich optimal. Das müsste man ein paar Züge eher umsetzen, wenn denn am Nachmittag welche führen. Auch für das Motiv von der Brücke stand die Sonne nicht mehr super, aber es ging gerade noch so. Das bedeutete auch, dass diesmal bis auf etwas abendlichen Dunst keine Wolke trübte.


Am Abend gibt es auf der Stichstrecke Bréauté-Beuzeville – Fécamp für ein paar Stunden sogar Stundentakt. X 73644 passiert Tourville-les-Ifs auf seiner Fahrt nach Le Havre.

Man hätte auch noch Licht für das nächste Zugpaar gehabt, aber es waberten immer noch viele Wolken und größere Schleierfelder herum. Zudem, und das war entscheidender, das Essen war gleich fertig.


Freitag, 30.07.21

Der Morgen begann äußerst trüb und recht frisch, auch der Blick auf das Satellitenbild offenbarte großflächige Bewölkung. Noch in der Champagne hatte ich bei einer kleinen Recherche überlegt, dass man doch von hier oben bei entsprechender Wettersicherheit auch mal die lokbespannten Doppelstockzüge nordwestlich von Paris ansteuern könnte. Aber daraus sollte nichts werden. Zu instabil sollte sich das Wetter während des Urlaubs zeigen. Was ja irgendwie sinnbildlich für den gesamten Sommer in unseren Breiten steht.
Nach einem ausgiebigen Terrassenfrühstück starteten wir in unser Vorhaben. Das sah heute einen größeren Ausflug vor. Der Familie stand es nach „richtigem“ Sandstrand“. Den konnte man weiter im Westen der Normandie finden, zum Beispiel am geschichtsträchtigen Omaha Beach. Das war zwar ein ganz schönes Stück zu fahren, aber es zeichnete sich die letzten Tage schon ab, dass wir wohl nach unserem Hüttenintermezzo nicht nochmal die Bretagne und damit die westliche Richtung beehren würden.
Beim Blick auf die SNCF-App am Morgen fiel mir auf, dass man einen heute lokbespannten Zug nach Le Havre ganz gut in die Planung einbauen könnte und so endete unsere Fahrt noch vor dem Einschwenken auf die Autobahn am Viadukt von Mirville, das ich vorab als einen Must-Have im Urlaub definierte. Das bereits 1844 fertiggestellte Backsteinbauwerk trägt die Eisenbahnstrecke von Paris nach Le Havre und überquert in zahlreichen Bögen ein weites Tal und die kurze Stichstrecke von Bréauté-Beuzeville nach Bolbec, die zwar elektrifiziert ist, aber wohl nur im Güterverkehr genutzt wird. Vom Bahnhof Bréauté-Beuzeville kommend bietet sich auch ein imposanter Blick auf fast die gesamte Konstruktion, aber das wäre etwas für den frühen Nachmittag. So fuhren wir ein wenig die kleinen Dorfstraßen entlang und entdeckten bei La Longue Rue einen schönen Blick, den grasende Kühe bereicherten. Genau, als ich die Fahrertür schließ rauschte es und ein Güterzug überquerte im Sonnenschein, die Wolkendecke hatte infolge des frischen Seewindes kleinere und größere Risse bekommen, die Brücke. Heckklappe auf, Kamera aus der Tasche herausgerissen, angeschaltet umgedreht und abgedrückt. Der Bewegungsablauf dürfte insgesamt nur ein paar Sekunden gedauert habe und glücklicherweise fuhr der Zug recht langsam.


Für eine bessere Platzierung der „Rindviecher“ war nun wirklich keine Zeit. Zwei Diesel-Prima von SNCF Infra überqueren den Viadukt Mirville

Leider hoben sich die E-Wagen des Zuges nur schlecht ab, aber das verhallende Rauschen des einen Güterzuges ging direkt in ein ansteigendes des Nächsten aus der Gegenrichtung über. Blöderweise verdunkelten die Wolken genau jetzt die Brücke, dabei hätte der bunte Containerzug einen deutlich besseren Eindruck gemacht. Da das Wechselspiel aus Sonne und Wolken aber erstmal weiterging, blieben wir an der Stelle. Der lokbespannte Express aus Paris sollte bald kommen und vielleicht würde ja noch ein Güterzug überraschen. Es kam aber, wie es kommen musste. Von Westen zog eine große dunkle Regenfront heran und bald fing es an zu tröpfeln. Kurzfristig wurde entschieden die Stelle zu verlassen und halbwegs parallel zur Eisenbahnstrecke in Richtung Westen zu fahren. Dabei würden wir schon ein paar Meter in Richtung Ausflugsziel machen und zudem unter dem Schauer durchtauchen. In der Tat zeigte sich der Himmel dahinter wieder vermehrt blau, nur ein Motiv zu finden war schwierig, da die Strecke irgendwie permanent im Einschnitt zwischen den Feldern liegt. Es wirkt fast so, als hätte man die Strecke über weite Strecken eingegraben. Das war jetzt wirklich frustrierend, vor allem da der Zug nun wirklich gleich erscheinen würde. Also ab zum nächsten Bahnhof, vielleicht geht ja was. Der Haltepunkt Étainhus-Saint-Romain tat uns nicht wirklich den Gefallen und auch der Himmel hatte sich erneut verfinstert. Schade, vielleicht hätte man einfach an der Brücke bleiben sollen.


BB 15035 ist Vertreterin der Wechselstromvariante klassischen Nez cassé-Lokomotiven und brettert mit TER 3109 nach Le Havre am Haken durch den Haltepunkt Étainhus-Saint-Romain

Danach starteten wir dann aber durch Richtung Westen, dazu überquerten wir mittels der imposanten Pont de Normandie die Mündung der Seine. Ebenfalls beeindruckend war die Überquerung der Orne in Caen. Der Verkehr spielte gut mit und wir gelangten zügig und ohne große Probleme nach Viervilles-sur-mer, einer der Orte die einen Zugang zum Omaha Beach bieten. Dort besichtigten wir zunächst die zahlreichen Informationstafeln an den Statuen und Erinnerungsmonumenten, bevor wir uns ein Mittagsmahl gönnten. Neben uns auf der Freifläche eines Restaurants hatten sich ebenfalls Deutsche platziert. Wadentattoos und Kleidung ließen eine politische Überzeugung am äußersten rechten Rand vermuten. Es machte mich irgendwie wütend und traurig zugleich, dass derartige, geschichtsvergessenen oder auch geschichtsverdrehenden Subjekte an solche Orte reisen, die sinnbildlich für das durch Deutschland verursachte Leid stehen und damit auch irgendwie das Andenken an die zahlreichen Opfer beschmutzen.
So viel Gemütserhitzung verlangte nach einer Abkühlung. Es folgte ein Sprung ins kühle Nass, auch wenn die Bedingungen nicht wirklich sommerlich waren, aber da Flut war und auch Wellen, gestaltete sich das Ganze doch recht unterhaltsam und erquickend.


Eines der zahlreichen Denkmäler am Omaha Beach, drei Mittelsachsen lassen derweil den Blick in Richtung Meer schweifen


Blick von einer Anhöhe über Omaha Beach, an dem die Alliierten am 06.06.44 die Operation Overlord starteten und damit eine zweite Front gegen Hitler-Deutschland eröffneten.

Man hätte jetzt sicherlich noch das ein oder andere Museum besuchen können, aber wir befanden uns schon tief im Nachmittag und wir hatten ja nicht nur eine längere Heimfahrt vor uns, sondern auch noch einen potentiellen Fotostopp auf der Liste. Neben Omaha Beach gibt es auch bei Cabourg einen größeren Abschnitt Sandstrand. Und hierhin verkehren sogar Züge, zumindest ein paar am Tag und das auch nur in der Sommersaison. Die letzten Meter verläuft die vom ebenfalls am Meer gelegenen Trouville-Deauville, das sogar mit Direktzügen aus Paris „versorgt“ wird, ausgehende Stichstrecke direkt am Strand entlang. Zwar stellte das einen Umweg dar, aber bis auf ein paar erwartete Feierabendverkehrsstörungen kamen wir gut durch. Zu Beginn des Weges erwartete ich kein Sonnenbild, denn trotz ein paar Wolkenlücken dominierten dunkle Wolken den Himmel und auch ein paar Tropfen konnten während der Fahrt auf der Windschutzscheibe registriert werden. Je näher wir aber dem Zwischenziel in Cabourg bzw. dessen Nachbarort Dives-sur-mer, in welchem sich der gemeinsame Bahnhof Dives-Cabourg befindet, näherten, desto brüchiger wurde die Wolkendecke. Direkt an der Küste war das Ganze dann sogar in einen munteren Sonne-Wolken-Wechsel übergegangen, wobei die jeweiligen Phasen recht lange andauerten. Etwa 10 Minuten bevor der Zug die auserkorene Stelle erreichte, gaben die Wolken den Blick auf die Sonne frei. Auch ein französischer Fotograf gesellte sich dazu. So richtig zufrieden war ich nicht, denn die Nähe zum Meer ließ sich von meiner Position nicht so wirklich ins Bild transportieren. Ich probierte noch kurz einen streckennäheren Standort, aber da passte dann die Position des Zuges irgendwie nicht richtig. Der kollidierte dann immer mit einem Haus und die Straße verlief ja auch direkt hinter der Straße. Also wieder ein paar Meter zurück, etwas seitlicher, dafür mit weniger Meer. Das Wolkenloch hielt noch bis etwa zwei Minuten nach Zugdurchfahrt.


Auf den letzten Metern der Strecke nach Dives-Cabourg passiert ein unbekannt gebliebener AGC die ebenfalls letzten Meter des Flusses Dives, der nach dem sichtbaren Linksknick in den Ärmelkanal mündet.

Nun war es doch schon recht fortgeschrittener Nachmittag bzw. früher Abend und der Magen knurrte. So wurde auf der Rückfahrt an einer der zahlreichen ToGo-Pizzerien am Straßenrand gestoppt und an einem schönen Landschaftsausblick das französische Nationalgericht genossen. Ja, ich weiß, dass die Pizza nicht französischen Ursprungs ist, aber hier ist sie ebenso omnipräsent, sowohl in den Speisekarten nahezu aller Restaurants als auch am Straßenrand in Form von Pizzaautomaten. Die Heimfahrt im Abendlicht war sehr stimmungsvoll, besonders die erneute Überfahrt über die Pont de Normandie.


Samstag, 31.07.21

Für heute hatten wir gar kein festes Vorhaben. Im Grunde ist es ja eigentlich genau das, was Urlaub ausmacht. Dass man eben nicht irgendetwas zwingend erledigen muss. Wobei, so ganz stimmte das nicht, es musste etwas eingekauft werden. Der Nachteil von solch gemütlichen Hütten liegt meistens in der geringen Kühlschrankkapazität. So fuhren wir wieder in den schon auf der Herfahrt besuchten Supermarkt in Goderville. Für alle Fälle packte ich den Fotoapparat ein. Der morgendliche Blick auf die SNCF-App offenbarte heute gar deren zwei lokbespannte Züge zur Mittagszeit, die sich gut auf dem Viadukt Mirville machen dürften. Und in der Tat zeigten sich auf der Fahrt wieder einmal größere blaue Flecken am Himmel. Bei der Wetterlage und auch angesichts der weiterhin sehr, sagen wir euphemistisch wechselhaften Wettervorhersage, musste jede kleine Chance genutzt werden. Innerhalb 25 Minuten sollten zwei lokbespannte Züge auf dem Viadukt erscheinen. Beim ersten war an Sonne gar nicht zu denken, dabei hatten sich die Kühe doch sehr schön am schon am Vortag besuchten Punkt platziert. Für den zweiten in Richtung Le Havre fahrenden Zug fuhren wir wieder ein Stück näher an den Viadukt. Allerdings musste ich nun feststellen, dass die Kamera auf keinerlei Befehle mehr reagierte. Die üblichen „Hausmittel“ bei der Fehlerbehebung, Akkuwechsel, Objektivwechsel, etc. zeigten keine Wirkung. Es kristallisierte sich, dass die Kamera nach knapp 7 Jahren und mehreren hunderttausend Auslösungen wohl das zeitliche gesegnet hatte. Für großen Ärger war keine Zeit, denn der Zug würde gleich erscheinen und in der Fototasche befand sich ja noch die kleine Zweit-Spiegelreflex, da müsste man den Urlaub wohl mit dieser zu Ende bringen. Die Sonne zeigte sich auch bei diesem Zug leider nicht, dafür hatten sich auch hier die gefleckten Vierbeiner schön positioniert.


Auch heute verkehrt TER 3109 mit Nez-cassé, zwischen den Milchlieferanten und dem Viadukt erkennt man auch die Masten der Strecke nach Bolbec.

Nach dem Foto fiel mir der relativ niedrige Akkustand auf und mich beschlich ein ungutes Gefühl, das leider durch mehrmalige Kontrolle des Fototascheninhalts bestätigt wurde, kein Akkuladegerät vorhanden. Grmpf. Was nun, man müsste wohl irgendwo was Neues kaufen. Im Supermarkt von Goderville gab es das natürlich nicht. Also wurde umdisponiert bzw. überhaupt disponiert. Während die Familie einen Strandnachmittag einlegte, fuhr ich nach Rouen in ein Elektronikgeschäft. Statt eines Akkuladegeräts erwarb ich eine neue Kamera. Nicht die, die ich mir unter anderen Umständen gekauft hätte, aber eigentlich bin ich doch ganz zufrieden. Der Nachmittagsausflug nach Rouen brachte auch die Möglichkeit eines Stadtrundgangs mit sich, wobei sich die Stadt ziemlich überlaufen zeigte und ich alsbald wieder das Weite suchte, auch weil sich nun ein weiterer Eisenbahnprogrammpunkt anbot. Vorher wurde aber noch einmal die direkt neben der Tiefgarage befindliche Untergrundstation der Straßenbahn besucht.


Obwohl 1953 stillgelegt, erfuhr auch Rouen wie viele französische Städte 1994 eine Renaissance der Straßenbahn. Die Innenstadt wurde dabei gleich untertunnelt. Ein Citadis von Alstom erreicht die Station Palais de Justice

Der bereits angesprochene Eisenbahnprogrammpunkt ergab sich vor allem aus dem Umstand, dass heute doch einige lokbespannte Garnituren zwischen Paris und Le Havre unterwegs waren. Und nicht weit weg von Rouen in richtiger, weil nördlicher Richtung befindet sich eines der wohl meistfotografierten Motive der Strecke, der Blick vom Friedhof der kleinen Stadt Barrentin auf den gleichnamigen Viadukt, der optisch dem Viadukt von Mirville ähnelt, da er ebenfalls eine Kurve beschreibt und wahrscheinlich auch aus dem gleichen Steinwerk hergestellt wurde. Zeigten sich in Rouen noch größere Wolkenlöcher, bestand hier nicht wirklich die Chance auf ein Sonnenbild, wenngleich es nicht ganz so dunkel war.


Wahrscheinlich eines der meistfotografierten Motive in der Normandie, der Viadukt Barrentin. Eine im En Voyage-Design lackierte BB 15000 überquert diesen mit TER 3117 am Haken.

Nun stand ein Zug nach Paris an, den man hier nachschießen könnte. Allerdings würde dieser laut App einer der neuen Omneo-Triebzüge sein, welche klassische Lok-Wagen-Züge in Frankreich mehr und mehr obsolet machen. Ich fuhr also einmal hinab ins Zentrum von Barrentin und dann wieder hinauf auf den Gegenhang, wobei Hang den falschen Ausdruck darstellt, denn wir befinden uns am Rand der Stadt zwischen älteren und modernen Wohnhäusern und Industrie- und Dienstleistungsgebäuden. Der Zug kam alsbald. Nach wie vor verdunkelten die Wolken den Blick der Sonne auf den Viadukt.


Ein städtischer Blick auf den Viadukt Barrentin und einen neuen Omneo-Triebzug, die mehr und mehr die lokbespannten Züge ersetzen.

Nun stellte sich die Frage, ob man hier noch etwas mehr als eine Stunde wartet, um einen weiteren lokbespannten Zug aus Le Havre vom Friedhof aus nachschießen zu können oder die Stellung wechselt. Ich entschied mich für letzteres, da die Chance auf Sonne weiter gen Meer größer erschien und hoffte für diesen Zug ein Motiv zwischen hier und dem Viadukt Mirville, den ich am Abend für Fotos von der Nordseite her aufsuchen wollte, zu finden. Leider befand sich die Strecke an allen potentiellen Stellen, die ich über Satellitenfotos ausgemacht hatte, kaum sichtbar in einem Einschnitt zwischen den Feldern. So fuhr ich also ziemlich erfolglos die Nebenstraßen der Normandie entlang bis zum Viadukt Mirville. Dort angekommen musste ich feststellen, dass der Sonnenstand bei weitem nicht die Position erreicht hatte, den ich erhofft hatte. Das war insofern schade, da nun wieder zwei lokbespannte Garnituren anstanden, für die nun aber leider kaum Seitenlicht verfügbar war. Aber während der Wartezeit konnte ich endlich die neue Kamera in Betrieb nehmen.


Schon wieder sind wir am Viadukt Mirville, nur diesmal auf der anderen Seite. Der geschobene TER 3128 bekommt zwar wenig Seitenlicht, hatte aber die Ehre das erste Motiv der neuen Kamera darzustellen. Mögen noch viele weitere folgen…

Schon lange kein Wort mehr über das Wetter verloren. Das ist meist ein gutes Zeichen. Die Wolken lösten sich mehr und mehr auf, was in erster Linie immer zu befürworten ist, aber nun auch irgendwie wieder schade, denn diese hätten bei dem Blick landeinwärts einen schönen Hintergrund gebildet. Wäre vielleicht doch ein Sonnenbild am Viadukt Barrentin möglich gewesen? Wir werden es nie erfahren.
Es folgte eine größere Lücke im Personenverkehr und ich hoffte auf den ein oder anderen Güterzug, zumal die Seitenausleuchtung von Minute zu Minute besser wurde. Leider wollte weder aus der richtigen noch aus der falschen Richtung ein Zug kommen und so musste wieder bis zum nächsten Personenzug gewartet werden.


Zwischen Rouen und Le Havre fahren neben den Hauptstadtzügen zusätzliche Regionalzüge. TER 850427 ist aus zwei AGC gebildet und überquert das hier fast in seiner kompletten Größe sichtbare Viadukt Mirville.

Leider verstrich auch die nächste Lücke im Personenverkehr ohne einen Güterzug. Der folgende TER nach Paris war ein Omneo-Triebzug, für welchen ich nochmal die gleiche Position, wie für den AGC einnahm. Danach nahmen die Schatten die Landwirtschaftsgebäude im Vordergrund ein und ich schaute ein wenig nach ein paar alternativen Positionen. Nicht weit entfernt von der Brücke liegt das im 16. Jahrhundert errichtete Schloss Mirville, von dessen umliegenden Wiesen man vielleicht auch einen schönen Blick auf das Viadukt haben könnte. Die Exkursion dorthin wurde aber durch zahlreiche Verbotsschilder und Absperrungen zeitig beendet. Es wirkt, als bliebe die Schlossgesellschaft wohl lieber unter sich. Während der Suche nach einer anderen Position verpasste ich einen nach Le Havre fahrenden Omneo-Zug. Das war insofern schade, da zu diesem ein wirklich sehr intensives und starkes Abendlicht das Viadukt illuminierte und die Schatten der Bäume des Viadukts auch noch nicht den gesamten Vordergrund und Teile des Bauwerks verdunkelten. Danach wuchsen die Schatten schnell in Richtung Brücke und auch die Lichtintensität nahm minütlich ab. Die Sonne tauchte wohl in eine dichtere Luftschicht hinab, wenngleich bis zum Sonnenuntergang noch fast eine Stunde vergehen sollte. Der letzte, nun wie erwähnt wieder lokbespannte Zug wurde zur Zitterpartie. Immer wieder musste ich die Position verändern, auch die auf der Weide umherwanderten Kühe machten das Ganze noch spannend, da sie sich manchmal im Licht befanden, mal zur Hälfte, mal gar nicht. Kurz bevor die Sonne dann in eine noch dichtere Schicht eintauchte, erlöste mich endlich der Zug, den eine im Multiservice-Livrée gehaltene BB 15000 nach Paris schob. Aufgrund des gehobenen „vorderen“ Stromabnehmers sah das gar nicht so sehr nach Nachschuss aus.


Welcher Stromabnehmer am Draht hängt, ist in Frankreich immer etwas unvorhersehbar. TER 3132 eilt im Büchsenlicht Paris entgegen, das er ungefähr eine halbe Stunde vor Mitternacht erreichen wird.

Halbwegs zufrieden fuhr ich die restlichen Kilometer bis zur Hütte nach Yport. Zwar kam kein Güterzug und die ersten beiden lokbespannten waren noch nicht richtig ausgeleuchtet, aber angesichts des bisherigen Wetters und auch der weiteren Vorhersagen waren die vielen Sonnenstunden und Fotos ohne wolkenbedingten Nervenkitzel doch ganz angenehm.

Im nächsten Teil warten wir weiterhin auf die Sonne und sind dann auch selbst auf den Schienen unterwegs.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
björn

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