… anhand vieler aktueller Sichtungsfotos aus den Eisenbahn-Foren gewinnt man den Eindruck, daß es an und in den deutschen Gleisen teilweise fast wieder so üppig grünt, wie einst zu Mehdorns besten Zeiten. Ab 1996 durfte ja kein Diuron mehr benutzt werden, zuvor ein Garant für wirksame Unkrautbekämpfung. Da ist damals wohl einiges aus dem Ruder gelaufen, und später wurde es dann wieder etwas besser.
Vergleicht man den aktuellen Zustand deutscher Bahnhöfe zum Beispiel mit den oft exzellent gepflegten Bahnanlagen in der Schweiz, dann fällt auf, daß das Grünzeug dort nicht nur in den Gleisen selbst, sondern eben auch im Umfeld der Bahnanlagen konsequent bekämpft oder zumindest durch häufiges Abmähen sehr kurz gehalten wird. Also dort, wo der Unkrautbekämpfungszug nicht mal eben im Vorbeifahren hinspritzt.
Seit etwa 2020 will (oder muß) DB Netz schrittweise auch von dem nach 1996 überwiegend eingesetzten und ebenfalls sehr umstrittenen Glyphosat weg. Ob der subjektiv wieder zunehmende Grünbewuchs damit zu tun hat, oder eher mit fehlenden Kapazitäten und ungenauer Bekämpfung, das weiß man als Laie nicht. Auch die Schweiz setzt übrigens seit langem kein Diuron mehr ein und will jetzt ebenso vom Glyphosat weg. Allerdings lässt man sich dort mit letzterem bis 2025 Zeit, bis geeignete Alternativmethoden wie Heißwasser wirklich ausreichend erprobt sind.
Daß ungenügende Unkrautbekämpfung im Gleisbereich mittel- und langfristig zu hohen Folgekosten und zu mangelnder Verfügbarkeit der Bahnanlagen führt, das weiß man in der Theorie natürlich auch hierzulande. In der Praxis wird es aber - in Kombination mit den organisatorischen Folgen der unausgegorenen Bahnreform - leider viel zu wenig berücksichtigt. Außerdem ist das Erscheinungsbild der Bahnanlagen m.E. ja auch Ausdruck der Unternehmenskultur.